Hallmanns Traumjob hat ein Manko: Fehlende gesellschaftliche Anerkennung

Foto HallmannOb er den Beruf ewig ausüben wird? Schwer zu beantworten für einen erst 34 Jahre jungen Mann. Im Moment jedenfalls kann sich Christopher Hallmann nichts Besseres vorstellen. „Ich übe derzeit meinen Traumjob aus“, sagt der Stützpunkttrainer des Deutschen Leichtathletik Verbandes (DLV). „Ob ich das aber bis zum Renteneintritt machen möchte, kann ich nicht sagen. Der Beruf zehrt an den Kräften, ist sehr emotional. Aber ganz bestimmt werde ich dem Sport treu bleiben.“ Bestenfalls dem Zehnkampf, seinem Steckenpferd. Der gebürtige Essener galt selber als großes Talent, über­schritt schon im jungen Zehnkämpfer-Alter von 21 Jahren die magische Marke von 8.000 Punkten – bei den Deutschen Meisterschaften, was ihm zugleich den DM-Titel 2004 bescherte. „Das war der Schritt in Richtung Weltklasse“, erinnert sich Christopher Hallmann, der seit 2012 Mitglied des Be­rufsverbandes der Trainerinnen und Trainer in Deutschland ist. „Pro Saison gelingt es 20 bis 25 Athleten, die 8.000er-Marke zu knacken. Bedenkt man zudem, dass das Höchstleistungsalter bei Zehnkämpfern in der Regel erst mit Ende 20 erreicht wird, war das schon so etwas wie ein Ritter­schlag für mich.“

Eine große Karriere schien möglich – erfüllte sich aufgrund vieler langwieriger Verletzungen aber nicht. „Ich habe die 8.000 Punkte nie wieder erreicht und früh meine Karriere beendet.“ Aber dass er im Sport tätig sein wollte, möglicherweise auch als Trainer, das war Christopher Hallmann schon damals klar. „Ich hatte schon Bock darauf, klar. Aber ich war nicht darauf versteift. Es hat sich eher so ergeben.“ Bis 2007 studierte er Sportwissenschaften in Bochum, 2007 wechselte er nach Ham­burg. „Ich hatte als Sportler noch einmal einen Umfeldwechsel angestrebt und wollte versuchen, in einem neuen Umfeld, mit einem neuen Trainer noch einmal anzugreifen. Aber es hat nicht mehr ge­klappt.“

Stattdessen nahm – wie erwähnt eher etwas zufällig – die Trainerkarriere Fahrt auf. „Ich begann 2010 als Athletiktrainer im Hockey zu arbeiten, das in Hamburg eine starke Position hat. Auf Initiative des damaligen Damen-Bundestrainers Michael Behrmann habe ich ab 2011 als Athletik­trainer der Nationalmannschaft gearbeitet und sie größtenteils auf die Olympischen Spiele 2012 in London vor­bereitet. Das war eine tolle Zeit – das Ziel aber war immer eine hauptamtliche Tätigkeit in der Leicht­athletik.“

Die im Jahr 2013 folgte. Mit 29 Jahren wechselte Hallmann aus dem Norden in Richtung Süden und wurde Landestrainer Mehrkampf in Baden-Württemberg mit Dienstort Ulm. „Das habe ich vier Jahre gemacht, bis ich 2017 eine Anstellung beim DLV als Trainer am Mehrkampf-Stützpunkt bekommen habe.“ Sieben Athleten sind Teil seiner Trainingsgruppe, mit Mathias Brugger hat er gar den Bronzemedaillengewinner der Hallen-WM 2016 sowie mit Arthur Abele einen Olympia­teilnehmer von Rio 2016 in seinen Reihen. „Sicher bin ich stolz auf die Leistungssteigerungen meiner bei­den Top-Zehnkämpfer“, so Hallmann. „Aber als noch größer empfinde ich die Herausforderung, die jüngeren Athleten meiner Gruppe langfristig zu begleiten und in die Weltspitze zu führen.“ Das braucht Zeit – und die möchte Christopher Hallmann seinen Jungs und sich geben.

„Mich reizt es, aus meinen Sportlern Spitzenleistungen herauszukitzeln und deren Entwicklung zu for­cieren. Jeder Athlet schreibt seine eigene Geschichte mit Höhen und Tiefen. Diese zu begleiten, er­füllt mich“, beschreibt Hallmann die Faszination, die der Trainerberuf für ihn ausmacht. Für Frust sorgt bei ihm dagegen die Tatsache, dass die vielfältigen Facetten des Trainerberufes der Allgemeinheit kaum bekannt sind – und der Job damit gesell­schaftlich nicht angemessen anerkannt ist. „Ich habe es selber erlebt, dass Bekannte mir auf meine Aus­sage „Ich muss jetzt noch ins Büro“ geantwortet haben „Wie, ins Büro? Du bist doch Trainer?“ Wie viel Arbeit im Umgang mit den Menschen und in der Organisation dahintersteht, das ist den Leuten gar nicht bekannt. Ich wünsche mir, dass der Berufsverband weiter dafür arbeitet, dass hier das Be­wusstsein und das Wissen in der Gesellschaft steigt.“

Dass der Trainerberuf darüber hinaus die eine oder andere strukturelle Herausforderung mit sich bringt, möchte Christopher Hallmann trotz all seiner Leidenschaft auch nicht verhehlen. „Die zeit­liche Belastung ist hart. Es gibt Phasen, in denen sind 60 Stunden Wochenarbeitszeit keine Selten­heit. Ich ver­suche aber bewusst, mir auch ruhigere Phasen zu gönnen. Ein großes Glück für Hallmann ist seine aktuelle private Lebens­situation. „Meine Freundin ist ehemalige Leichtathletin. Sie bringt also Interesse für meinen Beruf und Verständnis für die Notwendigkeiten mit. Passend ist auch, dass sie von daheim aus arbeitet und auch ich mein Büro in unserer Wohnung habe. Somit sehen wir uns regelmäßig. Das kommt uns natürlich ge­legen.“

Sein aktuelles Arbeitspapier ist bis Ende 2020 datiert. Befristet. Dass die Befristung von Arbeitsverträgen ganz praktische Nachteile haben kann, weiß Hallmann aus eigener Erfahrung. „Als wir 2016 eine neue Wohnung beziehen wollten, hatte mein Vertrag noch eine Gültigkeit von einem halben Jahr. Ich musste dem Vermieter ausführlich erklären, warum ich nur einen befristeten Vertrag habe. Und ich kenne auch einen Kollegen, der aufgrund seiner Vertragsbefristung keinen Kredit bekommen hat. Selbst­verständlich ist so etwas ärgerlich.“

Dennoch: Zweifel an seiner Berufswahl hat Christopher Hallmann keine. „Ich weiß, dass ich auf den Rückhalt meines Verbandes zählen kann. Er bietet mir die Chance, meine Trainerkompetenzen weiterzuentwickeln und die Möglichkeit, zusätzliche Verantwortung zu übernehmen.“ Also doch „Trainer für immer“?

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