OSP-Leiter fordert höhere Bezahlung und Ende der Kettenverträge

Michael Scharf
Sehr klar bezog Michael Scharf, Leiter des Olympiastützpunktes Rheinland, im Beitrag „Trainer in Deutschland – bedenklicher Rahmen“ in der WDR-Fernsehsendung „Sport Inside“ Stellung. Er kritisierte die fehlende Attraktivität des Trainerberufes, bemängelte, dass aufgrund der prekären Beschäftigungssituation immer weniger Menschen bereit seien, diese Tätigkeit zu übernehmen. Er sprach als Vertreter eines Arbeitgebers und Zuwendungsempfängers – 13 Trainerinnen und Trainer sind u.a. beim OSP Rheinland beschäftigt. Insofern waren seinen Äußerungen durchaus bemerkenswert. Grund genug für uns, noch einmal genauer nachzufragen:

BVTDS: Sie tätigen im Beitrag „Trainer in Deutschland – bedenklicher Rahmen“ bei Sport Inside die Aussage, dass der Trainerberuf nicht ausreichend attraktiv ist, um hauptamtliche Trainerinnen und Trainer, aber auch nebenberuflich Tätige in den Vereinen zu gewinnen. Woran machen Sie die fehlende Attraktivität fest?
Scharf: Es ist für mich das Zusammenspiel von mehreren Elementen, das den Trainerberuf aktuell nicht so attraktiv macht. Zum einen ist es die Bezahlung, zum anderen ist es die Praxis der Kettenverträge.

BVTDS: Welche ist Ihre Sicht auf die Bezahlung?
Scharf: Die Bezahlung ist häufig zu gering, gerade auch im Vergleich zu Lehrern. Hier bin ich der Auffassung, dass leitende Trainer im Leistungssport mindestens ein Lehrergehalt plus 10% erhalten müssen. Diese 10% plus beruhen auf den Arbeitszeiten, die im Trainerberuf einfach nicht familienfreundlich sind. Häufige Wochenendtätigkeiten, viele Arbeitszeiten am Abend – in diesen Punkten ist das Leben eines Trainers herausfordernder als das einen Lehrers.

BVTDS: Als zweites Kernthema erwähnen Sie die Kettenverträge…
Scharf: Zum Thema Befristung ist, wie ich finde, genug gesagt. Die üblichen Regeln des Arbeitsrechts sollten auch bei Trainern Anwendung finden, d.h. nach einer einmaligen Befristung von zwei Jahren wird der Vertrag unbefristet abgeschlossen. Positive Entwicklung sehe ich beim Thema Anerkennung. Hier gibt es Bewegung hinsichtlich Trainerpreisen und verbalen Äußerungen, welche Bedeutung gute Trainer haben. Von daher sehe ich jetzt erst einmal die Themen Befristung und Bezahlung als zentral an. 

BVTDS: Sie selber sind in Ihrer Eigenschaft als OSP-Leiter aktiv geworden und haben die Praxis der Kettenverträge für Ihre Mitarbeiter beendet. Wie haben Sie das konkret umgesetzt?
Scharf: Ich habe das Thema für unseren Vorstand aufgearbeitet und diesem auch die „normalen“ arbeitsrechtlichen Bedingungen aufgezeigt. Danach gab es im Vorstand des OSP Rheinland einen einstimmigen Beschluss, dass wir uns im OSP Rheinland an das Arbeitsrecht halten. Jetzt ist es so, dass wir im Haushalt über Rücklagen verfügen, die im Ernstfall, also einer gerichtlichen Auseinandersetzung und Abfindungslösung für den Trainer, dazu führen, dass der OSP finanziell handlungsfähig bleibt.

BVTDS: Also ein echtes Positivbeispiel, welches zeigt, dass es Wege gibt. Denken Sie, dass andere OSP und Verbände sich anschließen und gleichermaßen handeln?
Scharf: Da alle Verbände und OSP mehr oder weniger von öffentlichen Gelder abhängen, wäre das Thema endgültig geklärt, wenn das Bundesinnenministerium und die Landessportministerien sich auch klar dazu bekennen, dass Trainerinnen und Trainer im Leistungssport wie normale Arbeitnehmer behandelt werden. Bis das erfolgt ist, erfordert es von den einzelnen Organisationen Mut, die für die Trainer richtige Lösung zu ergreifen.

BVTDS: In der vergangenen Legislaturperiode bekannte sich die damalige Bundesregierung zur Aussage, „Athleten und Trainer“ stünden im Mittelpunkt der Bemühungen, wenngleich diese häufig wie eine Worthülse wirkte. Im aktuellen Koalitionsvertrag ist „nur“ noch von Athleten die Rede. Wie ist Ihre Einschätzung zu dieser Entwicklung?
Scharf: Leider sind es bis heute noch viel zu viele Worthülsen, die in Bezug auf Trainerinnen und Trainer benutzt werden. Echte Anerkennung wäre dann gegeben, wenn die oben angesprochenen Rahmenbedingungen im Arbeitsrecht für Trainer Anerkennung finden und die Bezahlung angemessen wäre. Gerade der internationale Vergleich zeigt uns, dass deutsche Trainer sicher nicht überbezahlt sondern unterbezahlt sind. Hier muss auch von Seiten der Politik mehr erfolgen als „Sonntagsreden“.

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