Auf der Überholspur: Rulof Schröder absolviert duale Berufstrainer-Ausbildung – und noch mehr

Seine Trainerlaufbahn begann eher aus der Not heraus. Beim SSV Schafflund, „weil kein anderer da war.“ Im Alter von 15 Jahren übernahm Roluf Schröder Verantwortung in seinem Heimatverein, heute ist er Assistenztrainer Talententwicklung im Badminton-Landesverband Nordrhein-Westfalen (BLV-NRW) – mit 19 Jahren. „Es hat mich sofort begeistert, Wissen weiter zu geben. Schnell war klar, dass ich als Trainer mehr Potenzial habe denn als Spieler, insofern war der Weg gewissermaßen vorgezeichnet“, blickt Roluf Schröder zurück.

Rulof Schröder (Mitte) eingerahmt von seinen Schützlingen.

Rulof Schröder (Mitte) eingerahmt von seinen Schützlingen.

Marcus Busch, heutiger Landestrainer Sportentwicklung und langjähriger Chef-Landestrainer im BLV-NRW, wurde auf den jungen Mann aus Schleswig-Holstein aufmerksam und bot ihm ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) am Landesleistungszentrum in Mülheim an der Ruhr an. „Ich kannte Roluf nur als gegnerischen Athleten aus dem Norden und erfuhr, dass Roluf sich mit dem Gedanken eines FSJ beschäftigte. Bei den Deutschen Meisterschaften 2017 haben wir dann, gemeinsam mit seinen Eltern, über das Projekt ‚FSJ am Deutschen Badminton-Zentrum in Mülheim‘ gesprochen. Mir fiel schnell auf, dass Roluf mit seinen jungen Jahren bereits eine sehr reife Persönlichkeit ist. Am Ende des Gespräches erwähnte er quasi nebenbei, dass er ja vielleicht nach dem FSJ auch Profi-Trainer werden möchte – eine Vision, die damals noch recht unwahrscheinlich anmutete.“

Also absolvierte der damals 17-Jährige zunächst ein elfmonatiges FSJ, bevor 2018 aus dem Nebensatz Realität und er 2018 tatsächlich Profi-Trainer wurde und nahtlos die Stelle des Assistenztrainers Talententwicklung im BLV-NRW übernahm – im Rahmen einer Dualen Berufstrainerausbildung in Kooperation mit dem Deutschen Skiverband (DSV).

Jürgen Wolff, Leiter der DSV-Trainerschule, hatte in seinem Spitzenverband, in den Landesverbänden und Vereinen einen Mangel an hochqualifiziertem Trainernachwuchs ausgemacht, die Duale Berufstrainerausbildung im DSV initiiert und auch in anderen Fachverbänden für dieses Modell geworben. Am 01.10.2018 startete der Premierendurchgang. Die Teilnehmer*innen absolvieren in den ersten zwölf der 54 Monate währenden Ausbildung gebündelt die sportspezifischen Trainerlizenzen C, B und A und absolvieren im Anschluss ihr Studium zum Diplom-Trainer oder zur Diplom-Trainerin.

Nach Abschluss dieser insgesamt 48 Monate haben die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, an der sportwissenschaftlichen Fakultät der Uni Leipzig innerhalb von sechs Monaten den akademischen Bachelor of Arts Sportwissenschaften zu erlangen. „Wir sind sehr froh, dass die Uni Leipzig den Diplom-Trainer mit 160 von 180 notwendigen Credit Points anerkennt. Damit müssen die Absolventen nur noch ein Semester in Leipzig absolvieren sowie eine Bachelorarbeit einreichen, um ihren Abschluss zu erhalten“, erläutert Wolf.

„Als ich zum ersten Mal von der Idee der Dualen Berufstrainerausbildung gehört habe, war ich sofort begeistert“, so Holger Hasse, Präsident des Berufsverbandes der Trainerinnen und Trainer im Deutschen Sport e.V. (BVTDS). „Es ist unstrittig, dass uns im Spitzen- und Nachwuchsleistungssport qualifizierte Trainerinnen und Trainer fehlen. Die Verbände und großen Vereine müssen hier wie in der freien Wirtschaft mehr Verantwortung übernehmen, um die Fachkräfte von morgen auch auszubilden. Die Idee, sich nach der Schule für die Berufsausbildung ‚Trainer*in‘ mit Bachelor-Abschluss zu entscheiden, stärkt das Berufsbild und ist gleichzeitig für junge Menschen eine attraktive Alternative zu anderen Ausbildungen und Studiengängen.“

Entscheidend für den Erfolg der Dualen Ausbildung ist, dass die Absolventen parallel zu ihrer theoretischen Schulung intensiv in die Trainingspraxis eingebunden sind und über ein Anstellungsverhältnis verfügen. Die möglichen Einsatzstellen können Vereine, Stützpunkte oder Verbände sein. „Voraussetzung ist, dass die Einsatzstellen eine Vergütung zahlen, die sich an den Gehältern in kaufmännischen Ausbildungsberufen orientiert und dass den Azubis ein Mentor zur Seite steht und sie begleitet. Dieser muss mindestens Diplom-Trainer sein. Wir möchten somit die Qualität der berufsbegleitenden Ausbildung sicherstellen“, so Wolf.

Im Fall von Roluf Schröder, der – auf Initiative von Holger Hasse, hauptberuflich Geschäftsführer des BLV-NRW – als einziger Teilnehmer außerhalb des Skisportes an diesem ersten Ausbildungsdurchgang teilnimmt, erfolgt der praktische Einsatz am Deutschen Badminton-Zentrum in Mülheim an der Ruhr. Dort partizipiert der 19-Jährige vom Knowhow zwölf hauptberuflicher Trainerinnen und Trainer, die Athletinnen und Athleten von der Altersklasse U11 bis in den Bereich der Weltspitze betreuen und begleiten. „Ich profitiere hier von einem unglaublichen Erfahrungsschatz“, so Roluf Schröder, der die Gelegenheit beim Schopfe packte. „Meine C-Trainerausbildung hatte ich noch in Schleswig-Holstein absolviert, bevor ich 2017 nach Mülheim kam. Im Laufe meines FSJ hatte ich an der B-Trainerausbildung in NRW teilgenommen und schließlich eröffnete mir Holger Hasse die Option, an dieser Dualen Berufstrainerausbildung teilzunehmen.“ Ursprünglich war das nicht der Plan, die „Badminton-Szene“ jedoch konnte ihn überzeugen: „Während seines FSJ haben wir Roluf gut kennenlernen. Sehr schnell war allen Verantwortlichen klar, dass er ein großes Trainertalent ist und wir ihn auf seinem Weg zum Berufstrainer unterstützen und begleiten wollen“, so Hasse.

Derzeit befindet sich Roluf kurz vor dem Abschluss der A-Trainerausbildung des Deutschen Badminton-Verbandes, mit seinen Kommilitonen aus dem Skisport gab es aufgrund der sportspezifischen Lizenz-Ausbildung bisher noch kein Kennenlernen. Ab Oktober wird dann aber gemeinsam gepaukt, dann beginnt das nächste berufsbegleitende Diplomtrainer-Studium an der Trainerakademie Köln, an dem auch die „Schützlinge von Jürgen Wolf“ teilnehmen werden.

Roluf Schröder und seine Kolleginnen und Kollegen befinden sich damit quasi „auf der Überholspur“ und erwerben in Rekordzeit einen akademischen Abschluss gepaart mit Praxiserfahrung. Für den Nachwuchs-Trainer ein absoluter Vorteil: „Ich bin prinzipiell ein Freund von Abkürzungen. Und eine größere Abkürzung als diese Duale Berufstrainer-Ausbildung kann ich wohl kaum erhalten. Ich werde früher fertig sein als die ‚normalen‘ Absolventen. Das einzige Manko könnte sein, dass ich nach Abschluss über weniger Berufserfahrung verfügen werde, dafür aber profitiere ich immens von meinem direkten Trainerumfeld.“ Dieses sieht er grundsätzlich als wichtige Voraussetzung für den Erfolg dieses Ausbildungsmodells. „Stand heute spreche ich eine Empfehlung für dieses Modell aus. Ich denke aber, dass das Umfeld und der Standort eine ganz wesentliche Rolle für das Gelingen spielen“.

Apropos Freund von Abkürzungen: Als wäre die Turbo-Trainerausbildung nicht genug, baut sich Rulof Schröder ein zweites Standbein auf. Als selbständiger Finanzberater auf. Man weiß ja nie.

 

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