Zehnder: „Im DOSB hat das TrainerIn-Projekt einen sehr hohen Stellenwert“

Am 21. Oktober fand die Kickoff-Veranstaltung des Projektes „TrainerInSportdeutschland“ des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) statt. Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer tauschten sich in diversen Gruppen über die Trainersituation in Deutschland sowie Vorhaben für die Zukunft aus und lauschten Vorträgen und Impulsreferaten. Im Zentrum des Geschehens: Eva Zehnder, die seit dem 01.07.2019 als Projektleiterin TrainerInSportdeutschland fungiert und damit das Projekt auf operativer Ebene verantwortet. Wir sprachen mit der 27-jährigen Erziehungswissenschaftlerin über das Geschehen.

BVTDS: Ehrlich gesagt: Auf Außenstehende wie uns wirkt das Projekt ein wenig sperrig. Erläutere doch bitte mal, worum es geht.

Zehnder: „Wir möchten die Situation aller Trainerinnen und Trainer in Deutschland verbessern. Unsere Zielgruppe sind ehrenamtliche Trainerinnen und Trainer ebenso wie hauptberufliche. Dazu muss meines Erachtens nach in der Öffentlichkeit ein klares Bild entstehen, was es eigentlich heißt, als Trainerin und Trainer tätig zu sein.“

BVTDS: Das ist tatsächlich eine Herausforderung. Wie ist dieses Projekt entstanden?

Zehnder: „2016 hatte die DOSB-Konferenz ‚Schlüsselfunktion Trainer/in‘ gemeinsam mit den Mitgliedsorganisationen und DOSB-nahen Institutionen die Vision ‚TrainerIn 2026‘ mit 13 bereichsübergreifenden Leitzielen erarbeitet. Die Vision besagt, dass bis 2026 alle Sportarten im Sportvereinssystem über eine ausreichende Anzahl an qualifizierten Trainerinnen und Trainern verfügen sollen. In den vergangenen rund drei Jahre hat der DOSB daraus ein Projekt skizziert. Im Zentrum der Überlegungen standen die Fragen, welchen Beitrag der DOSB zur Erreichung der 13 Ziele leisten und wie wir es schaffen können, möglichst viele Akteure im Handlungsfeld Trainer*innen zu beteiligen. Die Stelle, die ich nun ausübe, ist Teil dieses Projektes.“

Eva Zehnder_DOSB

Eva Zehnder, Projektleiterin „TrainerInSportdeutschland“ des DOSB

BVTDS: Wie genau möchtest du, möchte der DOSB vorgehen, um seine Vision in die Realität umzusetzen?

Zehnder: „Der DOSB begreift das Projekt als Organisationsentwicklungsprojekt. Das bedeutet, es sollen gemeinsam mit anderen Organisationen, mit Mitgliedsverbänden und Institutionen Initiativen angestoßen werden, die in einem der 13 Zielbereiche Impulse setzen und Entwicklungen forcieren. Der DOSB hat mit seinem Innovationsfonds positive Erfahrungen gemacht, als es gelungen ist, über finanzielle Unterstützung und persönliche Begleitung Projekte ins Leben zu rufen. Akteure wurden zusammengebracht, man hat voneinander gelernt. So soll es auch im aktuellen Fall sein.“

 

BVTDS: Man setzt also auf Partner, die sich gemeinsam mit dem DOSB engagieren und Antreiber sind?

Zehnder: „Exakt. Es geht darum, gemeinsam besser zu werden, Ideen zu generieren, wie wir mehr Trainer*innen für Vereine gewinnen können, wie die Ausbildung verbessert werden kann, wie der Beruf an gesellschaftlichem Standing gewinnen kann. Darum ist auch die dsj Teil des Projektes. Wir, der DOSB und die dsj können in diesen Fragestellungen nicht alleine agieren, sondern einen Rahmen schaffen und die Mitgliedsorganisationen entsprechend unterstützen.“

BVTDS: Innerhalb des DOSB ist das nun dein Job. Welche sind deine genauen Arbeitsinhalte?

Zehnder: „Meine Aufgabe wird es sein, für den DOSB zukünftige Trainer-Projekte in Verbänden und Vereinen zu begleiten. Ich möchte zudem die Öffentlichkeitsarbeit rund um die Trainertätigkeit verbessern, Trainerinnen und Trainer sichtbarer machen. Außerdem liegt mir das Wissensmanagement sehr am Herzen. Ich möchte Erkenntnisse und Best-Practice-Beispiele sichtbar machen und verbreiten.“

BVTDS: In Sachen Öffentlichkeitsarbeit ist euch eine tolle Präsentation auf der DOSB-Homepage und auf Facebook gelungen.

Zehnder: „Tatsächlich haben wir auf Facebook die Gruppe „TrainerInSportdeutschland“ etabliert, der in kurzer Zeit viele Nutzer beigetreten sind. Hier möchten wir zum einen viele Neuigkeiten aus dem Trainergeschäft vorstellen. Neue Trainingsformen, wissenschaftliche Erkenntnisse, Fortbildungsmöglichkeiten, Workshops, aber gerne auch eure BVTDS-Forderungen nach Verbesserungen der arbeitsrechtlichen Bedingungen, die wir voll unterstützen. Zum anderen dient die Gruppe als Austauschplattform für Trainerinnen und Trainer. Ein zentraler Aspekt ist die Beteiligung von Trainern!“

BVTDS: Bisher habt ihr unter Anderem zwei tolle Podcasts veröffentlicht.

Zehnder: „Ja, einmal monatlich werden wir ‚Trainer*innen in Sportdeutschland eine Stimme geben‘. Die beiden ersten Gespräche gab es mit Toni Söderholm, dem Eishockey-Bundestrainer, und Erik Wudtke, Bundestrainer Nachwuchs im Deutschen Handball Bund. Aber das soll nur der Anfang sein. Wir wollen verschiedene Trainerinnen und Trainer beteiligen, um die Vielfalt des Trainer-Seins abzudecken. Die Herausforderung ist, sie zu erreichen.

BVTDS: Dazu habt ihr auch die Kickoff-Veranstaltung zum Projekt am 21. Oktober in Frankfurt genutzt. Das erschien uns als der offizielle Startschuss.

Zehnder: „Tatsächlich war das so etwas wie ein positiver Projektauftakt. Unter den rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern waren circa 60 Trainerinnen und Trainer. Wir haben über das Projekt in Gänze informiert und sind in den Austausch gegangen. Zudem haben wir die Ausschreibung ‚Trainer*in-Projekte‘ präsentiert.“

BVTDS: Kannst du die bitte kurz umreißen?

Zehnder: „Der DOSB stellt insgesamt 150.000,00 Euro zur Förderung von Projekten in den Mitgliedsorganisationen und DOSB-nahen Institutionen zur Verfügung, die der Erreichung der Vision dienen und sich auf mindestens eines der Leitziele beziehen. Bereits am 15.12.2019 endete die Frist zur Antragsstellung. Es soll schnell gehen mit der Umsetzung.“

BVTDS: Die Bedeutung von Trainerinnen und Trainern im deutschen Sport ist eigentlich unstrittig. Aber der DOSB verfolgt das Vorhaben, deren Situation entscheidend zu verbessern, unserer Einschätzung mal mehr, mal weniger intensiv und ambitioniert. Wie empfindest du den Stellenwert deines Projektes innerhalb des DOSB?

Zehnder: „Sehr hoch. Drei Vorstandsmitglieder sind Teil des Projektlenkungsausschusses, der Beirat ist mit zwei Präsidiumsmitgliedern besetzt. Das Projekt ist aus meiner Sicht sehr gut in die Gesamtstrategie des DOSB eingebunden.“

BVTDS: Welche der 13 Teilziele der Vision Trainer 2026 erscheinen dir besonders bedeutsam?

Zehnder: „Alle Ziele haben ihre Relevanz. Vermutlich liegt mir Leitziel 1 besonders am Herzen. Es besagt, dass bis 2026 der DOSB und alle Mitgliedsorganisationen die Förderung von Trainerinnen und Trainern als Kernaufgabe verstehen. Das ist letztlich die Grundvoraussetzung für die Zielerreichung.“

BVTDS: Noch ein persönliches Wort: Wie gelangt eine Erziehungswissenschaftlerin zum DOSB?

Zehnder: „Schwerpunkt meines Studiums war Sportdidaktik. Ich habe mich also schon immer dem Sport verbunden gefühlt, zumal ich selbst passionierte Reiterin und ehrenamtlich als Trainerin tätig bin. Bevor ich mich beim DOSB beworben habe, habe ich das Nachwuchsführungskräfte-Programm der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in der Abteilung Ausbildung durchlaufen. Insofern hatte ich mich schon vorher mit dem gesamten Trainerwesen und im speziellen mit der Aus- und Fortbildung von Trainer*innen befasst.  Der Job beim DOSB kommt daher wie gerufen, um sich für Trainerinnen und Trainer aller Sportarten einzusetzen und deren Situation zu verbessern.“

Ergänzende Information: Die Ausschreibung der Trainer*in-Projekte mitsamt aller Leitziele und der Fördervoraussetzungen finden sich auf der Projekthomepage des DOSB unter https://trainerinsportdeutschland.dosb.de/

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