Stark: „Zu Beginn geht es im Trainer-Job ums Überleben vor der Gruppe“

Zum 01.01.2021 erhält der Berufsverband der Trainerinnen und Trainer im Deutschen Sport e.V. (BVTDS) hauptberufliche Unterstützung. Daniel Stark fungiert im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung als Projektleiter und soll dazu beitragen, das Engagement für die Belange der Berufstrainerinnen und -trainer in Öffentlichkeit und Sportpolitik weiter zu intensivieren. Hier berichtet der 33-jährige Badminton-A-Trainer von seiner Sicht auf das „Trainerleben“.

BVTDS: In deiner Hauptbeschäftigung bist du beim Badminton-Landesverband (BLV-NRW) tätig. Holger Hasse, neben Gert Zender BVTDS-Präsident und hauptberuflich Geschäftsführer des BLV-NRW, ist auch dein zweifacher Vorgesetzter.

Stark: Korrekt. Ich bin seit 2018 als Fachkraft für Kinder- und Jugendarbeit beim BLV-NRW tätig und werde zudem seit 2019 als Wochenendbetreuer am Yonex-Badminton Internat in Mülheim an der Ruhr eingesetzt.

Daniel Stark

Daniel Stark

BVTDS: Welche Aufgaben hast du als Fachkraft für Kinder- und Jugendarbeit inne?

Stark: Früher nannte man meine Position „Jugendbildungsreferent“. Das spiegelt meiner Meinung nach auch den Kern meiner Tätigkeit wider: Jugendbildungsarbeit auf allen Ebenen des Badminton-Landesverbandes. Ich versuche, Multiplikatoren für die für die Vereinswelt so wichtige Kinder- und Jugendarbeit zu begeistern und auszubilden. Dabei sind die jährlichen Trainerassistent*innen-, C-Trainer*innen und B-Trainer*innen-Ausbildungen mein Kerngeschäft. Zudem organisiere ich Freizeitangebote und Kulturangebote für Jugendliche. Mein neuestes Projekt: Badminton und Kirche.

BVTDS: Das passt hervorragend zu unserem Trainerverband. Was vermittelst du den Teilnehmerinnen und Teilnehmern als wesentliche Kompetenzen für Trainerinnen und Trainer?

Stark: Ich halte es für wichtig, Leidenschaft auszustrahlen. Es ist entscheidend, Menschen für Sport zu begeistern. Gerade Kinder entscheiden zunächst primär nach der Persönlichkeit. Natürlich ist das Trainer-Handwerk nicht egal, aber zu Beginn ist es aus meiner Sicht weniger bedeutend, Inhalte zu vermitteln, sondern Kinder für sich und den Sport zu gewinnen. Insofern lege ich in der Ausbildung von Trainer*innen auch sehr viel Wert darauf, soziale Kompetenzen zu thematisieren.

BVTDS: An welche Kompetenzen denkst du da in erster Linie?

Stark: Das Trainer-Dasein ist aus meiner Sicht sehr vielseitig. Es ist ein Job, der einen auf vielen Ebenen fordert. Schnell befasst man sich in den Trainerausbildungen mit den Lehrinhalten. Was soll ich meinen Athlet*innen wann und wie vermitteln? Aber Inhalt braucht einen Rahmen, damit er seinen Weg zu Athlet*innen finden kann. Am Anfang muss man als Trainer*in lernen, diesen Rahmen zu gestalten. Dabei geht es um grundlegende Kompetenzen: Das Sprechen vor Gruppen, Moderation von Übungen, das Führen von Gruppen und Einzelpersonen. Als ich anfing, Trainer zu sein, dachte ich, es sei einfach. Aber nein, zunächst geht es weniger um Inhalte als darum, vor der eigenen Trainingsgruppe zu ‚überleben‘, zu schauen, dass Übungen verstanden werden, alle in der Spur bleiben und dass das Training rund läuft. Das fängt damit an, für Ruhe und Pünktlichkeit zu sorgen und hört bei Konfliktgesprächen mit den Eltern auf. Es ist also ein echter Weg hin zu einer stabilen Trainerpersönlichkeit. Insofern schätze ich diese Kompetenzen als essenziell ein und sehe sie als wichtige Inhalte in der Ausbildung, die in der Praxis für Qualität sorgen.

BVTDS: Du erwähnst die Vielseitigkeit des Berufsbildes. Wie hast du selbst diese Vielseitigkeit erlebt?

Stark: Die eigentliche Hauptverantwortung sollte im tatsächlichen Training, in der Trainingsplanung und Begleitung der Athletinnen und Athleten liegen. Aber ich habe selbst erlebt, dass der Trainer im Verein oft der treibende Motor auf vielen Ebenen ist. Hier geht es um Reise- und Wettkampfplanung, Organisation von Freizeitaktivitäten oder Festen, politisches Engagement im Verein oder Verband, verantwortungsvolles Finanzmanagement. Vom Kuchenbacken für das Heimturnier bis zum Anwerben von Sponsoren. Langweile ist selten.

BVTDS: Klingt nicht nach deinem Traumjob.

Stark: Ich liebe es, Trainer zu sein. Aber es ist auch ein Job, der dir schnell alle Ressourcen nehmen kann, wenn man nicht aufpasst. Ein Job, der ein großartiges Lernfeld bietet, aber die Gefahr birgt, dass es zu viel wird. Arbeiten am Limit, zum Teil gepaart mit schlechter Bezahlung sind zwei dunkle Seiten des Berufs, die sich häufig genug auf die gesamte Qualität niederschlagen. Ich halte es für wichtig, auch aus Verantwortung den Sportlern gegenüber, dafür Sorge zu tragen, sich nicht ausnehmen zu lassen. Denn wer möchte schon, dass sein Kind von einem völlig übermüdeten und überarbeiteten Trainer nach einem Wettkampf-Wochenende in Polen auch noch nach Hause gefahren wird.

BVTDS: Empfindest du das als institutionelle oder individuelle Verantwortung.

Stark: Beides. Natürlich haben Auftraggeber und Arbeitgeber einen qualitativ hochwertigen Rahmen zu schaffen. Ich glaube, dass es ein Umdenken vieler Umfelder hin zu mehr Qualität geben muss. Aber es geht auch um das Selbstverständnis jeder einzelnen Trainerin und jedes einzelnen Trainers, der hier auch Grenzen setzen muss.

BVTDS: Wie steht es um deine eigene Trainerkarriere?

Stark: Ich bin schon im Alter von 14 Jahren in den Trainerjob gerutscht. Damals war „Not am Mann“ und mein damaliger Heimverein, der Badminton-Club Marsberg im Sauerland, brauchte dringend einen Kinder- und Jugendtrainer. Schnell entdeckte ich dabei eine ganz große Leidenschaft für das Trainer-Sein, die bis heute anhält. Während meines Studiums war ich als Profi-Trainer tätig und habe mich insbesondere für den TV Refrath und im BLV-NRW im Nachwuchs-Leistungssport engagiert.

BVTDS: Was hat dich damals dazu bewegt, deine Trainer-Laufbahn zu forcieren?

Stark: Mich hat vor allem immer die Frage nach dem „Wie?“ motiviert. Wie lernt man am besten? Wie lehrt man am besten? Wie wird man ein erfolgreicher Badmintonspieler? Deshalb liebe ich diesen Moment, wenn es bei einem Spieler im Kopf „klick“ macht. Ich liebe es, Menschen zu bewegen und Prozesse anzustoßen. Zudem hat mich der Sport mit so vielen Menschen in Kontakt gebracht, so dass inzwischen ein sehr großes Netzwerk entstanden ist, das mir auch sehr viel zurückgibt.

BVTDS: Werfen wir noch einen Blick auf den Berufsverband. Welche sind deine ersten Aufgaben?

Stark: Meine erste Aufgabe bestand in der Erstellung einer Umfrage unter Mitgliedern und Bundestrainerinnen und -trainern zu deren beruflicher Situation. Die Umfrage läuft noch einige Tage, die Ergebnisse werden Anfang 2021 präsentiert. Außerdem werde ich organisatorische und administrative Aufgaben übernehmen.

BVTDS: Welche weiteren Ziele und Vorhaben verfolgst du?

Stark: Zunächst die Gewinnung weiterer Mitglieder. Wir brauchen eine breite Basis. Ich möchte dazu beitragen, dass die Arbeit des Verbandes in den Ausbildungen thematisiert wird und für diese sensibilisiert wird. Das liegt mir in den kommenden Wochen am Herzen.

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