Deutliche Worte bei Sport Inside im WDR-Fernsehen

Zwei ganz starke Beiträge mit vielen kritischen und wahren Worten zur Trainersituation in Deutschland sendete das WDR-Fernsehen in seiner Sendung „Sport Inside“. In einem ausführlichen Interview äußerte sich die BVTDS-Vorsitzende Dafni Bouzikou und brachte gar einen „Trainer-Streik“ ins Spiel, um endlich Veränderungen der zum Teil prekären Beschäftigungsverhältnisse zu erzielen. Besonders erfreulich, dass auch der Leiter des OSP Rheinland, Michael Scharf, klare Worte fand und sich für die Belange von Trainerinnen und Trainern einsetzte. Hier sind die Beiträge in voller Länge zu sehen:

Trainer in Deutschland – bedenklicher Rahmen:
https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/sport-inside/video-trainer-in-deutschland—bedenklicher-rahmen-100.html

Interview Dafni Bouzikou
https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/sport-inside/video-interview—berufsverband-der-trainer-droht-mit-streik-102.html

Im Gespräch mit Dr. Johannes Orlowski zur „Trainerstudie“ der DSHS Köln

Mit Spannung wurden im Kreise der Trainerinnen und Trainer die Ausführungen zum Projekt „Bundes- und mischfinanzierte Trainer im deutschen Spitzensport“, das geleitet wurde von Prof. Dr. Christoph Breuer und PD Dr. Pamela W icker vom Institut für Sportökonomie und Sportmanagement der Deutschen Sporthochschule Köln, erwartet. Durchgeführt wurde die Studie im Auftrag des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, gefördert durch das Bundesministerium des Inneren.

Als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut und Projektmanager hatte Dr. Johannes Orlowski maßgeblichen Anteil an der Erstellung der Studie. Orlowski wertete Zahlen und Fragebögen aus und führte zehn detaillierte Interviews mit Trainerinnen und Trainern. Der BVTDS nutzte die Gelegenheit, sich mit ihm über die Ergebnisse der Studie und seine Rückschlüsse daraus auszutauschen.

BVTDS: Die Studie befasst sich mit möglicher Arbeitsmigration von Trainerinnen und Trainern, also der Fragestellung, ob bzw. unter welchen Umständen sich Trainerinnen und Trainer einen Jobwechsel vorstellen können. Warum wurde diese Ausgangsfrage für Ihre Studie gewählt?
Orlowski: Ziel war es, den deutschen Arbeitsmarkt für Trainerinnen und Trainer zu beleuchten und die Bedingungen zu erörtern. Die grundsätzliche arbeitsökonomische Annahme ist, dass eine große Job-Unzufriedenheit die Absicht zu migrieren, also den Arbeitsplatz zu wechseln, erhöht. Insofern lässt umgekehrt eine hohe Migrationsabsicht den Rückschluss auf schlechtere Bedingungen zu.

BVTDS: Und wie lautet Ihr Fazit? Mittels Fragebogen wurden hypothetische Jobszenarien im Ausland dargestellt (*Anm.: Beispiel siehe Anhang). Die Teilnehmer sollten angeben, ob sie sich unter den skizzierten Bedingungen für einen Jobwechsel ins Ausland entscheiden würden. Ist die Migrationsabsicht nach Auswertung der Fragebögen hoch?
Orlowski: Nein, die Migrationsabsicht scheint relativ gering. Auch die Zahl derjenigen Trainer, die in der Vergangenheit tatsächlich ins Ausland migriert sind, ist vergleichsweise gering.

BVTDS: Ihnen liegen Zahlen aus 17 nicht kommerziellen Spitzenfachverbänden aus den Jahren 2000 bis 2016 vor. Nach deren Angaben sind von 389 insgesamt beschäftigten Trainern 48 ins Ausland migriert, gar 84 aber haben einen Jobwechsel in einen anderen Beruf innerhalb Deutschlands vollzogen. Wie deuten Sie diese Zahlen? Sind sie Indizien für gute Standortbedingungen?
Orlowski: Das ist eine Frage der Referenz. Im globalen Vergleich sind die Standortbedingungen in Deutschland für Trainerinnen und Trainer oft besser als in anderen Nationen. Wenn aber der Vergleich mit anderen Berufen gezogen wird, dann deutet die Tatsache, dass Migration häufig nicht in andere Trainerpositionen, sondern in andere Berufe stattfindet, darauf hin, dass die Bedingungen in anderen Berufen in Deutschland besser sind.

BVTDS: Welche Gründe sehen Sie dafür, dass Trainer ihren Beruf verlassen und in andere Jobs wechseln?
Orlowski: Zunächst muss man festhalten, dass fast die Hälfte der Trainerinnen und Trainer in andere Jobs im Sport wechseln, ihr Knowhow also weiterhin, wenn auch in anderer Position, einbringen. Ich sehe einen Grund in der oft erwähnten fehlenden gesellschaftlichen Anerkennung. Hier könnte ein klareres Berufsbild helfen, das die Aufgabenvielfeld des Trainerberufes verdeutlicht sowie eine akademische Trainerausbildung. Die Allgemeinheit vermischt das Trainerdasein häufig mit dem wichtigen Ehrenamt, das ist hinsichtlich der professionellen Anerkennung aber sicher nicht dienlich. Als zweiten Grund für Arbeitsplatzmigration erachte ich die Anstellungs- bedingungen.

BVTDS: Also Faktoren wie Arbeitsverträge oder Arbeitszeit. Laut Ihrer Studie befinden sich 60% von 210 befragten bundes- und mischfinanzierten Trainerinnen und Trainer in befristeten Arbeitsverhältnissen und leisten in Vollzeit durchschnittlich 53 Arbeitsstunden je Woche. Das klingt nicht wirklich verlockend.
Orlowski: Tatsächlich, das sind die Bedingungen, die die Auswertung der erwähnten 210 Befragten zu Tage fördert. Ich habe darüber hinaus auch in den zehn von mir geführten Interviews den Ein- druck gewonnen, als seien dies die größten Beanstandungen der Trainerinnen und Trainer. Sie wünschen sich Änderungen im Bereich Arbeitsumfang, Abbau bzw. Vergütung von Überstunden oder Altersvorsorge. Und natürlich langfristige Beschäftigungen. Der Unmut über befristete Verträge und die daraus resultierende Unsicherheit sind nachvollziehbar.

BVTDS: Sie vergessen den Faktor Vergütung.
Orlowski: Nein, den vergesse ich nicht. Ich denke aber nicht, dass die Vergütung der entscheidende Grund dafür ist, dass Trainerinnen und Trainer ihre Tätigkeit beenden. Ich habe die geführten Gespräche so gedeutet, als würden 150,00 Euro im Monat zusätzlich nicht zufriedener machen oder gar die Entscheidung eines Berufswechsels beeinflussen. Die zuvor genannten Punkte scheinen mir hier deutlich relevanter. Aber sicher kann man die Vergütung in Relation zum Arbeitsaufwand kritisch betrachten.

BVTDS: Sie haben die Ihnen zur Verfügung gestellten Gehaltszahlen für rund 670 bundes- und mischfinanzierte Trainerstellen sowie für rund 180 mischfinanzierte OSP-Trainer ausgewertet. Im Durchschnitt lag der monatliche Nettoverdienst je Trainerposition in Vollzeit bei circa 2.300,00 Euro. Dabei gilt es aber zu beachten, dass Chef-Bundestrainer im Schnitt deutlich höher vergütet werden als beispielsweise Stützpunkttrainer. Können Sie die Unterschiede etwas genauer erläutern?
Orlowski: Ich kann natürlich keine einzelnen Vergütungen nennen. Aber meiner Einschätzung nach gibt es in der Spitze kaum Anlass zur Beschwerde. Was bedeutet, dass der Mittelwert durch die Maximalgehälter verzerrt ist und eine Vielzahl von Trainern unterhalb dieses Mittelwertes vergütet werden.

BVTDS: Das ist möglicherweise ein Grund dafür, dass in der Studie die Empfehlung geäußert wird, die vorhandenen Trainermittel auf weniger Stellen zu verteilen und somit die Gehälter zu erhöhen. Das würde den derzeit geringer vergüteten Kollegen helfen. Andererseits aber den eh schon hohen Arbeitsaufwand auf noch weniger Schultern verteilen. Wie bereits erwähnt: Im Durchschnitt arbeiten Trainer in Vollzeit 50 Stunden je Woche.
Orlowski: Was diese Frage angeht, habe ich in den Auseinandersetzungen mit der Sportpolitik zwei Lager wahrgenommen. Das eine beklagt, dass die gleiche Arbeit auf weniger Köpfe aufgeteilt würde, das andere behauptet, es gäbe zu viele Köpfe und damit künstliche Stellen. Es dürfte auch eine Idee der noch umzusetzenden Leistungssportreform des DOSB sein, hier eine Effizienzsteigerung zu erzielen und Trainermittel in den Verbänden effizienter zu verteilen.

BVTDS: Und was denken Sie?
Orlowski: Wir verhalten uns neutral und wollen zu diesen politischen Punkten keine Aussagen treffen. Ich kann nur sagen, dass wir in drei großen Runden beim Bundesinstitut für Sportwissenschaft, beim Deutschen Olympischen Sportbund sowie beim Bundesministerium des Inneren die Ergebnisse unserer Studie vorgestellt haben. Jede dieser Institutionen deutet die Ergebnisse natürlich individuell. Seit der letzten dieser Gesprächsrunden, also seit April 2017, ist es aber eher leise rund um dieses Thema geworden.

BVTDS: Können Sie sich eine Ausweitung der Studie um Trainerinnen und Trainer auf Landes- und Vereinsebene vorstellen? Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass unterhalb der Bundesebene die Bedingungen schlechter sind.
Orlowski: Grundsätzlich hatte der Bund erst einmal ein Interesse, seine Zahlen offen zu legen und transparent zu sein, d.h. die Situation der Trainerinnen und Trainer möglichst objektiv zu beleuchten. Mögliche prekäre Beschäftigungsverhältnisse auf Landesebene waren nicht Gegenstand der Studie. Bei den Ländern habe ich den Eindruck, dass sie nicht ganz an einem Strang ziehen. Sicher gibt es Ausnahmen, aber es würde mich wundern, wenn sich die Situation der hauptamtlichen Trainer teilweise nicht schlechter darstellt. Dort sind die Bedingungen noch heterogener als auf Bundesebene, weil es keine einheitlichen Förderrichtlinien gibt. Auf Landesebene sind die Bedingungen mitunter von einzelnen Vorgesetzten abhängig.

BVTDS: Ihren Auswertungen nach sind rund 88% der hauptamtlichen Trainer männlich. Der Anteil der Trainerinnen ist mit rund 12% also erschreckend gering. Welche Gründe sehen Sie dafür?
Orlowski: Prinzipiell keine spezifischen. Aus meiner Sicht handelt es sich hier leider, wie in vielen anderen Branchen, um Geschlechterdiskriminierung. Nachvollziehbare Gründe, warum so wenige Frauen diese Positionen ausüben, sehe ich nicht. Der geringe Anteil von Frauen unter Spitzensporttrainern ist nicht nur in Deutschland auffällig, sondern wurde auch in anderen Ländern dokumentiert.

In der AG Musterverträge herrscht Konsens über Entfristung von Verträgen

Auch nach dem dritten Treffen der „AG Musterverträge“ mit Vertretern von BMI, DOSB, aus den Olympiastützpunkten und den Spitzenverbänden ist BVTDS-Vize Holger Hasse voller Zuversicht. „Ich nehme nach wie vor eine sehr gute und produktive Arbeit der Arbeitsgemeinschaft wahr. Der entscheidende Punkt ist nun, Verbindlichkeit herzustellen“, so Hasse. „Ein Schlüssel zum Erfolg wird die Anpassung der Förderrichtlinien durch die öffentlichen Zuwendungsgeber. Auf Bundesebene sehe ich das BMI bzw. das BVA in der Pflicht. Es muss geprüft werden, ob die Arbeitsverträge auf der Grundlage von Recht und Gesetz abgeschlossen und gelebt werden. Wir sehen hier aber auch den DOSB in der Verantwortung. Dieser hat die Möglichkeit, die Trainersituation im Rahmen seines sportfachlichen Gutachtens zu bewerten und damit entscheidenden Einfluss auf die Förderung der Verbände zu nehmen. Gleiches gilt dann analog dazu für die Länderebene“, ergänzt der ehemalige Chef-Bundestrainer Badminton.

Als großen Erfolg der Arbeit des BVTDS sieht Hasse den erzielten Konsens in Sachen Ketten­verträgen. „Wir sind uns einig, dass Anstellungsverträge von Trainerinnen und Trainern zu Vertrags­beginn einmalig bis zu zwei Jahre befristet werden können. Im Anschluss muss aber im Regelfall eine Entfristung erfolgen!“ Große Herausforderungen stehen der AG beim Thema „Arbeitszeit und Arbeitsschutz“ bevor. „Hier wollen wir zusätzliche Expertise einholen und uns extern beraten las­sen. Die Verbände als Arbeitgeber müssen in die Lage versetzt werden, die Gesetze einzuhalten, aber dennoch Weltspitzenleistungen der Athletinnen und Athleten zu ermöglichen.“

Hallmanns Traumjob hat ein Manko: Fehlende gesellschaftliche Anerkennung

Foto HallmannOb er den Beruf ewig ausüben wird? Schwer zu beantworten für einen erst 34 Jahre jungen Mann. Im Moment jedenfalls kann sich Christopher Hallmann nichts Besseres vorstellen. „Ich übe derzeit meinen Traumjob aus“, sagt der Stützpunkttrainer des Deutschen Leichtathletik Verbandes (DLV). „Ob ich das aber bis zum Renteneintritt machen möchte, kann ich nicht sagen. Der Beruf zehrt an den Kräften, ist sehr emotional. Aber ganz bestimmt werde ich dem Sport treu bleiben.“ Bestenfalls dem Zehnkampf, seinem Steckenpferd. Der gebürtige Essener galt selber als großes Talent, über­schritt schon im jungen Zehnkämpfer-Alter von 21 Jahren die magische Marke von 8.000 Punkten – bei den Deutschen Meisterschaften, was ihm zugleich den DM-Titel 2004 bescherte. „Das war der Schritt in Richtung Weltklasse“, erinnert sich Christopher Hallmann, der seit 2012 Mitglied des Be­rufsverbandes der Trainerinnen und Trainer in Deutschland ist. „Pro Saison gelingt es 20 bis 25 Athleten, die 8.000er-Marke zu knacken. Bedenkt man zudem, dass das Höchstleistungsalter bei Zehnkämpfern in der Regel erst mit Ende 20 erreicht wird, war das schon so etwas wie ein Ritter­schlag für mich.“

Eine große Karriere schien möglich – erfüllte sich aufgrund vieler langwieriger Verletzungen aber nicht. „Ich habe die 8.000 Punkte nie wieder erreicht und früh meine Karriere beendet.“ Aber dass er im Sport tätig sein wollte, möglicherweise auch als Trainer, das war Christopher Hallmann schon damals klar. „Ich hatte schon Bock darauf, klar. Aber ich war nicht darauf versteift. Es hat sich eher so ergeben.“ Bis 2007 studierte er Sportwissenschaften in Bochum, 2007 wechselte er nach Ham­burg. „Ich hatte als Sportler noch einmal einen Umfeldwechsel angestrebt und wollte versuchen, in einem neuen Umfeld, mit einem neuen Trainer noch einmal anzugreifen. Aber es hat nicht mehr ge­klappt.“

Stattdessen nahm – wie erwähnt eher etwas zufällig – die Trainerkarriere Fahrt auf. „Ich begann 2010 als Athletiktrainer im Hockey zu arbeiten, das in Hamburg eine starke Position hat. Auf Initiative des damaligen Damen-Bundestrainers Michael Behrmann habe ich ab 2011 als Athletik­trainer der Nationalmannschaft gearbeitet und sie größtenteils auf die Olympischen Spiele 2012 in London vor­bereitet. Das war eine tolle Zeit – das Ziel aber war immer eine hauptamtliche Tätigkeit in der Leicht­athletik.“

Die im Jahr 2013 folgte. Mit 29 Jahren wechselte Hallmann aus dem Norden in Richtung Süden und wurde Landestrainer Mehrkampf in Baden-Württemberg mit Dienstort Ulm. „Das habe ich vier Jahre gemacht, bis ich 2017 eine Anstellung beim DLV als Trainer am Mehrkampf-Stützpunkt bekommen habe.“ Sieben Athleten sind Teil seiner Trainingsgruppe, mit Mathias Brugger hat er gar den Bronzemedaillengewinner der Hallen-WM 2016 sowie mit Arthur Abele einen Olympia­teilnehmer von Rio 2016 in seinen Reihen. „Sicher bin ich stolz auf die Leistungssteigerungen meiner bei­den Top-Zehnkämpfer“, so Hallmann. „Aber als noch größer empfinde ich die Herausforderung, die jüngeren Athleten meiner Gruppe langfristig zu begleiten und in die Weltspitze zu führen.“ Das braucht Zeit – und die möchte Christopher Hallmann seinen Jungs und sich geben.

„Mich reizt es, aus meinen Sportlern Spitzenleistungen herauszukitzeln und deren Entwicklung zu for­cieren. Jeder Athlet schreibt seine eigene Geschichte mit Höhen und Tiefen. Diese zu begleiten, er­füllt mich“, beschreibt Hallmann die Faszination, die der Trainerberuf für ihn ausmacht. Für Frust sorgt bei ihm dagegen die Tatsache, dass die vielfältigen Facetten des Trainerberufes der Allgemeinheit kaum bekannt sind – und der Job damit gesell­schaftlich nicht angemessen anerkannt ist. „Ich habe es selber erlebt, dass Bekannte mir auf meine Aus­sage „Ich muss jetzt noch ins Büro“ geantwortet haben „Wie, ins Büro? Du bist doch Trainer?“ Wie viel Arbeit im Umgang mit den Menschen und in der Organisation dahintersteht, das ist den Leuten gar nicht bekannt. Ich wünsche mir, dass der Berufsverband weiter dafür arbeitet, dass hier das Be­wusstsein und das Wissen in der Gesellschaft steigt.“

Dass der Trainerberuf darüber hinaus die eine oder andere strukturelle Herausforderung mit sich bringt, möchte Christopher Hallmann trotz all seiner Leidenschaft auch nicht verhehlen. „Die zeit­liche Belastung ist hart. Es gibt Phasen, in denen sind 60 Stunden Wochenarbeitszeit keine Selten­heit. Ich ver­suche aber bewusst, mir auch ruhigere Phasen zu gönnen. Ein großes Glück für Hallmann ist seine aktuelle private Lebens­situation. „Meine Freundin ist ehemalige Leichtathletin. Sie bringt also Interesse für meinen Beruf und Verständnis für die Notwendigkeiten mit. Passend ist auch, dass sie von daheim aus arbeitet und auch ich mein Büro in unserer Wohnung habe. Somit sehen wir uns regelmäßig. Das kommt uns natürlich ge­legen.“

Sein aktuelles Arbeitspapier ist bis Ende 2020 datiert. Befristet. Dass die Befristung von Arbeitsverträgen ganz praktische Nachteile haben kann, weiß Hallmann aus eigener Erfahrung. „Als wir 2016 eine neue Wohnung beziehen wollten, hatte mein Vertrag noch eine Gültigkeit von einem halben Jahr. Ich musste dem Vermieter ausführlich erklären, warum ich nur einen befristeten Vertrag habe. Und ich kenne auch einen Kollegen, der aufgrund seiner Vertragsbefristung keinen Kredit bekommen hat. Selbst­verständlich ist so etwas ärgerlich.“

Dennoch: Zweifel an seiner Berufswahl hat Christopher Hallmann keine. „Ich weiß, dass ich auf den Rückhalt meines Verbandes zählen kann. Er bietet mir die Chance, meine Trainerkompetenzen weiterzuentwickeln und die Möglichkeit, zusätzliche Verantwortung zu übernehmen.“ Also doch „Trainer für immer“?

„(Alp)Traumberuf Schwimmtrainer: Die Zeitarbeiter am Beckenrand“

Ausführlich beleuchtet Sebastian Schwenke unter dem Titel „(Alp)Traumberuf Schwimmtrainer: Die Zeitarbeiter am Beckenrand“ auf swimsportnews.de die Situation der (hauptberuf­lichen) Schwimmtrainer/innen in Deutschland. Die Resultate seiner Befragungen sind für Insider wenig überraschend: Im Vergleich mit der internationalen Konkurrenz gibt es auch im Schwimm­sport zu wenige hauptamtliche Trainerinnen und Trainer, die Vergütung ist in Abhängigkeit vom Ar­beitgeber und insbesondere in Relation zum Aufwand nicht auskömmlich, die Verträge sind häufig befristet und die Anerkennung für die Leistung der Trainerkollegen gering.

Hier geht’s zum Artikel:
https://swimsportnews.de/8144-alp-traumberuf-schwimmtrainer-die-zeitarbeiter-am-beckenrand-teil-1

Berufsverband begrüßt Handball-Trainervereinigung als Mitglied

Der Berufsverband der Trainerinnen und Trainer im Deutschen Sport e.V. hat ein renommiertes und stimmkräftiges neues Mitglied: Die Deutsche Handball Trainervereinigung (DHTV) ist dem BVTDS beigetreten. Rund 500 Mitglieder (Übungsleiter, Trainer, Diplom-Sportlehrer und Schiedsrichter) sind im DHTV organisiert. „Für die erhoffen wir uns einen Mehrwert und zusätzliche Informationen durch unsere Mitgliedschaft im BVTDS“, so Ortwin Gilcher, DHTV-Vorstandsmitglied. „Wir vertreten gemeinsame Interessen, nämlich den Einsatz für das Berufsbild des Trainers. Wir möchten nicht alleine und nur für uns kämpfen. Gemeinsam sind wir stärker. Unsere Mitgliedschaft im BVTDS verschafft uns einen besseren Zugang zu sportpolitischen Themen.“ Der DHTV ist nach dem Verband Deutscher Tischtennistrainer (VDTT) die zweite sportartspezifische Trainervereinigung, die sich dem Berufsverband angeschlossen hat.

Dafni Bouzikou ließ auf WDR 5 von sich hören

Eine besondere Gelegenheit, sich zur Situation der Trainerinnen und Trainer in Deutschland zu positionieren, erhielt die BVTDS-Vorsitzende Dafni Bouzikou. Vom Westdeutschen Rundfunk wurde sie eingeladen, für die WDR 5-Radiosendung „Sportecho“ ihre Sicht über die Missstände der Trainersituation im deutschen Sport darzulegen. Gefragt wurde u.a., warum das Berufsbild des Trainers und der Trainerinnen in Deutschland so einen schlechten Stellenwert habe. Aber auch ein Blick in die Zukunft wurde gewagt. Wie optimistisch sie sei, dass sich die Situation ändern werde, wurde sie gefragt. „Nicht sehr optimistisch“, lautete die Antwort. Zu lang sei der Bart der gebetsmühlenartig wiederholten Unmutsbekundungen und Änderungsforderungen. Den gesamten Mitschnitt des Interviews gibt es untenstehend zu hören.

BVTDS-Forderungen stehen auf der Agenda der „AG Musterverträge“ ganz oben

Gleiche Runde, gleiches Fazit: In der AG Musterverträge geht es voran. Bereits nach dem ersten Treffen der vom DOSB initiierten Experten-Runde, die sich über die Verbesserung von vertraglichen Rahmenbedingungen für Trainerinnen und Trainer verständigen soll, zog Holger Hasse, als BVTDS-Vize Teilnehmer des Arbeitskreises, ein positives Resümee. Und auch das zweite Treffen lief aus Sicht des ehemaligen Chef-Bundestrainers Badminton positiv: „Die AG arbeitet sehr rege und aktiv. Alle Forderungen des Berufsverbandes der Trainerinnen und Trainer im Deutschen Sport stehen als Leitlinien auf der Agenda der Arbeitsgruppe. Der nächste Schritt muss sein, Verbindlichkeit herzustellen.“

Konkret hat sich die Expertenrunde auf rund 10 Arbeitspakete verständigt, die sie innerhalb des kommenden Jahres bearbeiten will. „Ganz oben auf der Agenda stehen die Forderungen nach unbefristeten Verträgen, einer fairen Vergütung sowie der Umsetzung des Arbeitszeit- und Arbeitsschutzgesetzes für Trainerinnen und Trainer im Leistungssport. Auch wenn es nicht einfach wird, sich auf konkrete Schritte zu verständigen, bin ich guter Dinge, weil wir in der Arbeitsgruppe ein gemeinsames Verständnis davon haben, dass Veränderungen notwendig sind. In diesem Zusammenhang habe ich immer wieder darauf verwiesen, dass Bund und Länder als Zuwendungsgeber eine besondere Verantwortung für die Verwendung von Steuermitteln für Trainerstellen haben. Dass mit Steuermitteln prekäre Beschäftigungsverhältnisse und zeitliche Ausbeutung von Trainerinnen und Trainern finanziert werden, und so gegen Gesetze verstoßen wird, darf nicht länger geduldet werden“, so Hasse.

Positive Signale kamen auch z.B. von Karin Grüber, der Vertreterin der Länder vom Bildungs-Ministerium Mecklenburg-Vorpommern. „Auch die Länder haben den großen Handlungsbedarf erkannt“, berichtet Holger Hasse. Der darüber hinaus darauf verweist, dass sich die AG auch über ein Tarifmodell ausgetauscht hat. „Daniel Striegel, Leiter des Olympiastützpunktes Rhein-Neckar, hat deutlich gemacht, dass eine Vergütung, die nur an der Funktion und dem Titel ausgerichtet ist, nicht modern und nicht immer angemessen ist. Vielmehr sollten Merkmale wie Führungsverantwortung und die Arbeitsplatzbeschreibung mehr mit in die Vergütungsmodelle einbezogen werden“, findet auch Hasse.