Beim Deutschen Skiverband begann mit seinem dualen Vorzeige-Studium ein neues Ausbildungs-Zeitalter

Am 1. Oktober begann für acht junge Menschen ihr neues Leben als Berufstrainer: Der Deutsche Skiverband startete seine in Deutschland noch einmalige duale Berufstrainer-Ausbildung. Innerhalb von 54 Monaten erwerben die Absolventen die Trainerlizenzen C, B und A, im Anschluss den Abschluss als Diplom-Trainer und zu guter Letzt noch den Bachelor of Arts Sportwissenschaften. „Wir haben in einigen Skidisziplinen einen erhöhten Altersdurchschnitt der derzeit tätigen Trainer festgestellt“, so Jürgen Wolf, als Leiter der DSV-Trainerschule im bayerischen Planegg für die Konzeption des dualen Studiums zuständig. „Darüber hinaus beklagen einige unserer Landesverbände einen grundlegenden Mangel an hauptberuflichem Trainerpersonal. W ir versprechen uns von dieser Kombination aus qualifizierter wissenschaftlicher Ausbildung und hohem Praxisbezug einen hohen Anreiz für skisportaffine Berufseinsteiger. Die Möglichkeit, die vielfältigen Ausbildungsschritte innerhalb kurzer Zeit im Block absolvieren zu können, dabei immer in der Praxis tätig zu sein, eine Ausbildungsvergütung zu erhalten und sogar einen akademischen Abschluss zu erwerben, sollte eine hohe Motivation sein.“

Jürgen Wolf ist der Initiator der Berufstrainer-Ausbildung des Deutschen Skiverbandes.

Jürgen Wolf ist der Initiator der Berufstrainer-Ausbildung des Deutschen Skiverbandes.


Wie es aussieht, kommt das neue Konzept an. Sechs bis acht Teilnehmer je Jahrgang strebt der DSV an, um so im gesamten Bundesgebiet ausreichend hochqualifizierten Trainernachwuchs zu generieren. „Mit den acht Startern in 2018 sind wir also gut dabei. Im Moment gehe ich davon aus, dass wir zukünftig mehr Bewerber als Ausbildungsplätze haben werden“, so Jürgen Wolf. Die möglichen Einsatzstellen der Absolventen können Vereine, Stützpunkte oder Verbände sein. „Voraussetzung ist, dass die Einsatzstellen eine Vergütung zahlen, die sich an den Gehältern in kaufmännischen Ausbildungsberufen orientiert und dass den Azubis ein Mentor zur Seite steht und sie begleitet. Dieser muss mindestens Diplom-Trainer sein. Wir möchten somit die Qualität der berufsbegleitenden Ausbildung sicherstellen.“

Während die skispezifischen Trainerausbildungen innerhalb der ersten zwölf Monate zentral durch die DSV-Trainerschule durchgeführt werden, findet das Diplom-Trainer-Studium wie gewohnt über drei Jahre an der Trainerakademie Köln statt. Nach Abschluss dieser in Summe 48 Monate haben die Teilnehmer zwei Möglichkeiten: Sie können über die IHK München ergänzend den Abschluss des Sportfachwirt erwerben und darüber hinaus an der sportwissenschaftlichen Fakultät der Uni Leipzig den akademischen Bachelor anstreben. „Wir sind sehr froh, dass die Uni Leipzig den Diplom-Trainer mit 160 von 180 notwendigen Credit Points anerkennt. Damit müssen die Absolventen nur noch ein Semester in Leipzig absolvieren sowie eine Bachelorarbeit einreichen, um ihren Abschluss zu erhalten“, erläutert Wolf.

Die anfallenden Kosten sind hoch – aber im Zuge der gewünschten Personalentwicklung sinnvoll eingesetzt. Der DSV die Kosten für die Lizenzausbildung und die Studiengebühren, die Arbeitgeber zahlen die Vergütung und der Student die Kosten für Anreisen und Übernachtungen. „Wobei hier eine Unterstützung der Arbeitgeber wünschenswert ist“, so Wolf.

BVTDS-Vize Holger Hasse ist voll des Lobes für das Engagement des DSV. „Ich halte diesen Weg für sehr gelungen, um qualifiziertes Trainerpersonal zu gewinnen und den Beruf mit der notwendigen Wertschätzung zu versehen. Es wäre wünschenswert, andere Verbände schlössen sich diesem Modell an.“

Einen entsprechenden Aufruf werden Michael Scharf, der neue Leistungssportdirektor des LSB- NRW, und Lutz Nordmann, Direktor der Trainerakademie Köln, am 7. November an die Landesfachverbände in Nordrhein-Westfalen richten. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung an der Trainerakademie werden Scharf und Nordmann über die Möglichkeiten von LSB, Trainerakademie, BVTDS und dem Deutschen Skiverband berichten, eine Berufstrainer-Ausbildung in NRW zu etablieren. Auch Holger Hasse wird zugegen sein und den Standpunkt des BVTDS vertreten: „Für den BVTDS und mich persönlich ist die Qualifizierung von Trainerinnen und Trainern eine Herzensangelegenheit. Die Berufstrainerausbildung ist eine zukunftsweisende Maßnahme, um nachhaltig Personalressourcen zu sichern. Wir als Berufsverband sind bereit und interessiert daran, uns auch zukünftig intensiv für Gestaltung und Durchführung dieser Ausbildung zu engagieren.“

Die brisante Frage nach dem Beruf – Trainerin oder Psychologin? Heute ist Carla Strauß auch „offiziell“ Trainerin aus Überzeugung

Als ihr das Arbeitspapier als Badminton-Trainerin zur Unterschrift vorgelegt wurde, war sie ein wenig irritiert. „Die Vergütung empfand und empfinde ich als ziemlich gering. Das Einstiegsgehalt nach meiner Ausbildung war ähnlich“, erinnert sich Carla Strauß. Bitter, denn zwischen dem Ende der Ausbildung zur biologisch-technischen Assistentin und der Aufnahme der hauptamtlichen Trainertätigkeit lagen rund 15 Jahre – und ein ganzes Studium. Diplom-Psychologin ist die heute 36- Jährige. Und eigentlich wollte sie auch noch promovieren. Bis sie spät der V irus der Badmintontrainerin infizierte.

Schon als Aktive war sie Quereinsteigerin, erst im Alter von 15 Jahren fing sie an, Badminton zu spielen, nachdem sie für das Geräteturnen zu groß geworden war. Einige Jahre später war sie Mitglied in einem Verein, der selber kein Nachwuchstraining anbot. „Das hat mich gestört, also habe ich angefangen, Training anzubieten und die Trainerlizenz zu erwerben“, so die „Spätberufene“. 2014 absolvierte sie die C-Lizenz, es sollte eine „Bilderbuchkarriere“ folgen. Berliner Vereine interessierten sich für die engagierte Trainerin, fragten an, es folgte der Weg zum Landesleistungszentrum des Badmintonverbandes Berlin-Brandenburg (BVBB) und die Möglichkeit, sich immer weiter in den Trainings- und Wettkampfbetrieb des Landesverbandes einzubringen. Am Landesleistungsstützpunkt und Nachwuchsstützpunkt des Deutschen Badminton Verbandes Berlin war 2017 eine halbe Trainerstelle zu besetzen – und Carla Strauß griff zu, nachdem sie 2016 die B- Lizenz erworben hatte. „Eigentlich wollte ich parallel zu dieser halben Stelle promovieren. Aber mein Arbeitsvolumen wurde mehr und mehr, so dass ich heute eine volle Stelle als Verbandstrainerin inne habe und meine Promotion abgebrochen habe.“

Carla Strauß

Carla Strauß


Auch der Deutsche Badminton-Verband (DBV) wurde auf die engagierte und ambitionierte Trainerin aufmerksam. Ende 2017 wurde sie auf Vorschlag von Dirk Nötzel, Bundestrainer Talententwicklung im DBV, zu dessen Co-Bundeshonorartrainerin berufen und unterstützt ihn in seiner Arbeit in den Altersbereichen und U11 und U13. „Carla bringt sich voll ein und hat sich innerhalb kurzer Zeit sehr entwickelt“, so Nötzel, der in der DBV-internen Ausbildung zur Elitetrainerin als Mentor von Carla Strauß fungiert. „Wenngleich sie noch nicht so lange dabei ist, ist sie eine sehr wertvolle Unterstützung. Zu Beginn ihrer Tätigkeit hat sie aufgrund ihrer Studienkenntnisse insbesondere in Sachen Wettkampfverhalten und mentale Stärke wichtige Impulse geben können und den Spielern vieles mitgegeben. Heute ist sie in allen Bereichen eine gleichwertige Mitstreiterin.“

Keine Frage also: Die schnelle berufliche Entwicklung der Trainerin Carla Strauß fußt auf ihren eigenen Kompetenzen. Gleichzeitig steht ihr Werdegang aber auch für das strukturelle Trainerproblem im deutschen Sport, das auch für die Sportart Badminton gilt: Es gibt nur wenige kompetente Trainer und noch weniger Trainerinnen, die den hauptberuflichen Weg einschlagen. Wenn sie sich aber finden, stehen ihnen bei entsprechender Qualität alle Wege offen. Die Zahl der hauptamtlichen Trainerinnen im Badminton – inklusive Teilzeitbeschäftigungen – kann man ziemlich genau an einer Hand abzählen. „Leider“, findet Nötzel. „Trainerinnen sind eine notwendige Bereicherung. Aber sie zu gewinnen, ist nahezu unmöglich“. Warum das so ist? Für Nötzel liegt es an der Unvereinbarkeit von Familie und Beruf. „Wenn am späten Nachmittag und Abend Training angesetzt ist, ist die Kita nicht geöffnet, eine Schulbetreuung gibt es auch nicht. Wenn man also kleine Kinder hat, ist der Trainerberuf eine besondere Herausforderung, die kaum Frauen eingehen.“

Eine Sicht, der sich Carla Strauß anschließt: „Die Badmintonwelt ist für das Familienleben nicht klar. Zwei bis drei Wochenenden im Monat weg von daheim zu sein, ist mit Kindern bestimmt schwierig, wobei es immer auf die familiäre Gesamtkonstellation ankommt.“ Ihre persönliche Familienkonstellation kommt ihr zu Gute. Kinder sind noch keine im Haus, „mein Mann verdient gut, so dass er mein geringeres Gehalt ausgleicht“, so Carla Strauß. „Ohne diese finanzielle Absicherung wäre es mit meinem Gehalt aber schwer, ein Leben mit dem Standard zu führen, den man sich in einem bestimmten Alter vorstellt.“ So aber konnte sie es sich erlauben, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen und das Trainerin-Dasein dem Psychologin-Dasein vorzuziehen, in dem eine deutlich höhere Vergütung winken würde. „Finanziell ist der Job der Badminton- Trainerin eher unattraktiv. Man arbeitet zwei bis dreimal so viel wie man verdient, das passt nicht. Der Trainerberuf muss sich zu einer Beschäftigung entwickeln, die sich auch finanziell lohnt und nicht nur wegen der vielen positiven persönlichen Erfahrungen eine Bereicherung ist“, fordert die Berlinerin.

Sie selber wollte diesen Weg unbedingt einschlagen – trotz des wenig verlockenden Vertragsangebotes und trotz der guten Berufsperspektiven als Psychologin. „Ich arbeite derzeit primär und hauptverantwortlich mit Kindern in den Altersklassen U11 und U13 und finde es sehr attraktiv, aber auch wichtig, die jungen Persönlichkeiten langfristig zu begleiten. In der Psychologie bin ich spezialisiert auf Personalberatung in der Arbeits- und Organisationsentwicklung. Aber in diesem Bereich muss ich unterschiedlichen Menschen immer wieder das Gleiche verkaufen. Das finde ich deutlich weniger reizvoll als die langfristige Begleitung der Kinder.“

Ihre Arbeit sieht sie als Prozess, auch als persönlichen. „Ich bin noch eine junge Trainerin, mir fehlt noch viel Erfahrung. Dafür bin ich unverbraucht und bringe neue Ideen in die Betreuung ein. Ich bin flexibel und voller Leidenschaft zur Entwicklung der jungen Menschen beizutragen.“ In ihrem Berliner Badmintonumfeld sieht Carla Strauß noch viel Potenzial für die Einbindung weiterer Gleichgesinnter. „Der Bedarf an weiteren engagierten Trainerinnen und Trainer ist definitiv vorhanden. Im Verband machen wir zu zweit die Arbeit von drei bis vier Personen, aber auch den Vereinen würde eine Hauptamtlichkeit, egal in welchem Umfang, gut tun. Meiner Kenntnis nach beschäftigt ein Berliner Verein einen hauptamtlichen Trainer, ich hoffe aber, dass es in Zukunft mehr werden. Wenn die Vereine clever sind und ihr Training qualitativ hochwertig absichern wollen, dann muss das der Weg sein. Und wenn es sich in ersten Schritten um geringfügig beschäftigte Studenten handelt.“

Ein „Mehr“ an hauptamtlichen Trainerinnen und Trainern verbindet Carla Strauß mit einem weiteren positiven Effekt: Es könnte die öffentliche Wahrnehmung von Trainerinnen und Trainern verbessern. „Hauptamtlichkeit unterstreicht, dass ein Trainer nicht der engagierte Vater ist, der sich „nebenher“ einbringt, sondern dass der Trainertätigkeit eine fundierte Aus- und Weiterbildung zu Grunde liegt. Und dass diese Tätigkeit eine hohe Verantwortung inne hat, die wiederum eine hohe Anerkennung verdient. Nach meinem Empfinden fehlt es in der gesellschaftlichen Breite an eben dieser Anerkennung“, ergänzt Strauß und gesteht: „Zu Beginn meiner Tätigkeit habe ich häufig gezweifelt, ob ich Badminton-Trainerin oder Psychologin sage, wenn ich nach meinem Beruf gefragt wurde.“

Das Standing des Trainerberufes zu verbessern, ist auch eines der Hauptanliegen des BVTDS. Insofern war eine Mitgliedschaft im Berufsverband für Carla Strauß naheliegend, als BVTDS-Vize Holger Hasse als Referent bei der A-Trainerausbildung mit den Aufnahmeanträgen für den Berufsverband wedelte. „Ich halte es grundsätzlich für eine gute Sache, wenn sich Interessenvertreter bemühen, an den richtigen Stellen vorzusprechen und für die Gesamtheit einstehen. Das ist sicher effektiver, als wenn jeder einzeln probiert, an Türen zu rütteln.“ Wer weiß: Vielleicht eröffnet das Engagement des Berufsverbandes auch Wege, ihr Gehalt zu erhöhen…

Simone Lammers und ihre AG-Kolleginnen und Kollegen werden Verbände bei der Förderung von Trainerinnen beraten

Seit rund einem Jahr engagiert sich BVTDS-Vorstandsmitglied Simone Lammers in der DOSB-AG „Förderung von Trainerinnen und Kampfrichterinnen“. Als ehemalige Trainerin im Leistungssport liegen der Lehrerin und Organisationsberaterin insbesondere die Anliegen der Trainerinnen am Herzen. Insofern stößt ein neues Projekt der AG auf ihre besondere Wertschätzung: Das Angebot der konzeptionellen Beratung von Spitzenfachverbänden zur Förderung von Trainerinnen. „Wir stellen immer wieder fest, dass die Verbände Interesse an Personalentwicklung formulieren. Umso erfreulicher, dass Personalentwicklung das Thema des DOSB-Innovationsfonds im Jahr 2019 sein soll. Für eine erfolgreiche Antragstellung beim Fond bietet unsere AG an, bei der Konzepterstellung zur Förderung von Trainerinnen zu beraten, wenn notwendig.“ Das Vorhaben der AG soll den Verbänden bei der DOSB-Mitgliederversammlung Anfang Dezember vorgestellt werden.

Als zweite konkrete Maßnahme beschloss die AG bei ihrem letzten Treffen, für eine vermehrte öffentliche Berichterstattung von Frauen im Leistungssport einzustehen. Insofern richtet die AG einen gezielten Aufruf an Verbände, haupt- und ehrenamtliche Trainerinnen, Kampfrichterinnen und weibliche Führungskräfte zu nennen, die der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollen. „Wir wollen erreichen, dass über die DOSB-Kanäle einmal monatlich eine Frau aus dem Leistungssport vorgestellt werden soll“, so Lammers. Mögliche Kandidatinnen können gerne über info@bvtds.de übermittelt werden.

Auch mit der Vorstellung von Trainerinnen in der Zeitschrift „Leistungssport“ hat sich Simone Lammers zuletzt intensiv befasst. „In der Zeitschrift werden regelmäßig Trainerpersonen vorgestellt. Aus meiner Sicht eine sehr interessante Rubrik. Die Quote der vorgestellten Trainerinnen liegt bei rund 15%. Wenn man sich vor Augen hält, dass der DOSB das Ziel verfolgt, in allen Bereichen eine Frauenquote von 30% zu erreichen, ist auch bei der Vorstellung von Trainerinnen noch Raum für Verbesserungen. Ich habe von Seiten der Redaktion positive Rückmeldungen bekommen. Auch hier ist es wichtig, immer wieder Trainerinnen zu benennen, deren Vorstellung sich anbietet.“

Einladung und Tagesordnung der Mitgliederversammlung am 20.11.2018

Am 20.11.2018 treffen sich die Mitglieder des Berufsverbandes der Trainerinnen und Trainer im deutschen Sport e.V. zur diesjährigen Mitgliederversammlung. Ab 18.00 Uhr wird in der BVTDS-Geschäftsstelle am Ehrenfeldgürtel 161 in 50823 Köln getagt. U.a. sind alle Vorstandsposten neu zu besetzen – interessierte Mitglieder melden sich gerne im Vorfeld beim aktuellen Vorstand, um ihre Bereitschaft zu erklären. Die Einladung samt Anschreiben und Tagesordnung findet sich in dieser pdf-Datei: Einladung und Tagesordnung BVTDS MV_2018

Hier die Tagesordnung:

Top 1: Eröffnung der Mitgliederversammlung und Begrüßung durch die Vorsitzende
1.1. Feststellung der Beschlussfähigkeit
1.2. Feststellung der frist‐ und formgerechten Einladung
1.3. Ernennung des Protokollführenden
1.4. Wahl der Kommissionen (Mandatsprüfungs‐ und Wahlkommission)
1.5. Tagesordnung: Ergänzungen/Änderungen

Top 2: Verabschiedung des Protokolls der Mitgliederversammlung 17.11.2017

Top 3: Berichte und Aussprache
3.1. Jahresbericht (1. Vorsitzende)
3.2. Jahresbericht (2. Vorsitzender)
3.3. Kassenbericht (Vorstand Schatzmeister)
3.4. Ergebnis der Kassenprüfung (Kassenprüfer)
3.5. Diskussion zu den Berichten
3.6. Anträge an die Mitgliederversammlung und Beschlussfassung

Top 4: Entlastung des Vorstandes auf Antrag der Kassenprüfer/in

Top 5: Neuwahlen
5.1. Vorstellung der Kandidaten/innen
5.2. Wahl des Vorstandes (2 Jahre)
5.3. Wahl der Kassenprüfer/innen

Top 6: Arbeitsvorhaben 2019

Top 7: Verschiedenes

Holger Hasse referiert über Arbeitsrecht – und wirbt für den BVTDS

Die DOSB-Zertifikatsausbildung zum „Trainer im Nachwuchsleistungssport“ an der Trainerakademie Köln war für BVTDS-Vize Holger Hasse eine willkommene Gelegenheit, mit den Studenten ausführlich über die Berufssituation von Trainerinnen und Trainern im Leistungssport zu sprechen. Im Rahmen der explizit auf Top-Trainerinnen und Trainer im Nachwuchs ausgerichteten Ausbildung referierte der Geschäftsführer des Badminton-Landesverbandes NRW zum Thema „Arbeitsrecht“ in all seinen Facetten und fand – wie so oft – interessierte Zuhörer und Diskussionsteilnehmer. „Ich habe zum Einstieg der Einheit die Teilnehmer nach ihren arbeitsrechtlichen Erfahrungen und Bedingungen gefragt“, so Hasse. „Es ergaben sich viele Fragen und ein sehr interessanter Austausch, den wir innerhalb der uns zur Verfügung stehenden drei Stunden gar nicht abschließen konnten. Wir planen daher einen zweiten Teil gegen Ende der Ausbildung.“

Angenehmer Nebeneffekt der Referententätigkeit von Holger Hasse: Neue Mitglieder für den BVTDS. „Im Rahmen solcher Veranstaltungen stelle ich natürlich immer auch den Berufsverband vor und werbe für eine Mitgliedschaft. Es ist wichtig, dass die Trainerinnen und Trainer sich solidarisieren und gemeinsam für Veränderungen der Arbeitsbedingungen einstehen. Genau das ist die Rolle des Berufsverbandes als Interessenvertretung, insofern halte ich es nur für konsequent, dass Trainerinnen und Trainer dem BVTDS beitreten.“

Fachforum zur psychischen Gesundheit im Leistungssport findet in Duisburg statt

Die BKK Novitas und MentalGestärkt veranstalten am 8. November von 15.00 bis 19.00 Uhr in Duisburg ein Fachforum für Trainer, Führungskräfte und weitere Interessierte zum Thema „Kein Stress mit dem Stress – psychische Gesundheit im Leistungssport erhalten und fördern“.

„Ich denke, es wird eine topinteressante Veranstaltung mit hochkarätigen Referenten und einer spannenden Podiumsdiskussion“, so Marion Sulprizio, Geschäftsführerin von MentalGestärkt und Diplom-Psychologin am Psychologischen Institut der Deutschen Sporthochschule Köln. Die Veranstaltung ist kostenlos für alle Teilnehmer – weitere Infos liefert der untenstehende Flyer.

Fachforum_kein-stress-mit-dem-stress

7 Mio. Euro zusätzlich soll es in 2018 für Leistungssportpersonal geben – doch was kommt wirklich bei den Trainern an?

Der deutsche Spitzensport wird im Jahr 2018 mit zusätzlichen Fördermittel gesegnet. 23,2 Millionen Euro mehr erhält der organisierte Sport noch in diesem Haushaltsjahr vom Bundesministerium des Inneren (BMI) und freut sich damit über ein öffentliches Gesamtbudget von rund 193 Millionen Euro. Mit 7 Mio. Euro soll lt. Medienberichten rund ein Drittel des Zuwachses von 23,2 Mio. Euro auf das Leistungssportpersonal des Bundes, auf Trainerinnen und Trainer sowie auf Bundesstützpunktleiter/innen entfallen. Doch eine Bestätigung dieser 7 Mio. Euro oder Hinweise zu deren geplanter Verwendung sind schwer zu erhalten.

Eberhard Gienger, sportpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundesfraktion, verweist auf das BMI. Dort könne man Genaueres sagen. Seine Erwartung jedenfalls sei, dass es in den Händen der Verbände liege, wie sie die zusätzlichen Trainermittel verwänden. „Es wird immer beklagt, dass Trainerinnen und Trainer nicht angemessen vergütet würden“, so Gienger. „Als zuletzt einigen Verbänden zusätzliche Mittel für die Trainer zugedacht wurden, wurden diese oftmals dazu verwendet, neue Stellen zu schaffen, statt die Vergütungen zu erhöhen. Aber selbstverständlich liegt es im Ermessen der Verbände, die Gehälter ihrer angestellten Trainerinnen und Trainer anzupassen.“

Laut BMI ist es noch offen, wie genau diese Mittel verwendet werden sollen. „Noch liegt vom DOSB keine detaillierte Zuarbeit vor“, heißt es aus dem Referat Sport auf Nachfrage. Eine Stellungnahme seitens des DOSB auf diese Frage steht seit nunmehr drei Wochen aus. Haben sich die Trainerinnen und Trainer also zu früh gefreut?

Für Dafni Bouzikou, die Vorsitzende des Berufsverbandes der Trainerinnen und Trainer im deutschen Sport e.V. ist jedenfalls klar, dass die Trainerinnen und Trainer für ihre Interessen kämpfen müssen: „Ich erwarte den versprochenen Mittelzuwachs noch in diesem Jahr. Und dann muss es in die Verhandlungen gehen. Jede Einzelne und jeder Einzelne ist gefordert, für sich einzustehen. Es kann nicht sein, dass nun wieder nur neue prekäre Beschäftigungen geschaffen werden, aber für die bereits angestellten Mitarbeiter nichts übrig bleibt und sich deren Situation nicht bessert. Im Gegenteil muss deren Leistung endlich adäquat honoriert wer den.“

Autoren-Quintett stellt die Entwicklung zum Berufsbild „Berufstrainer/in im Sport“ vor

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Leistungssport“ stellen die Autoren Wiebke Fabinski, Markus Finck, Holger Hasse, Christian Witusch und Gert Zender ausführlich ihre Ausarbeitung des Berufsbildes „Berufstrainer/in im Sport“ vor. Das Quintett führt aus, dass der BVTDS im Jahr 2015 die Initiative ergriffen hat, ein solches Berufsbild zu erstellen. Der Allgemeinheit soll vermittelt werden, was den Beruf des Trainers bzw. der Trainerin ausmacht – was zu einer breiteren gesellschaftlichen Anerkennung dieses herausfordernden und komplexen Berufes beitragen sollte. Aus Sicht der Autoren kann ein Berufsbild alleine die bestehenden Probleme des Trainerberufes nicht lösen. Aber ein „Aufschlag“ kann es sein, das seinen Beitrag dazu leistet, dass aus gesellschaftlicher Anerkennung entsprechende Wertschätzung auch in vertraglicher Hinsicht resultiert. Der gesamte Beitrag wurde uns seitens der Autoren zur Verfügung gestellt und ist als pdf hier einsehbar: Berufstrainer im Sport LSP

Das eigentliche Berufsbild findet sich beispielsweise auf den Seiten der Bundesagentur für Arbeit: https://berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/index;BERUFENETJSESSIONID=Itn70O0h2-RdkcOHpdiCn9YZelgRuxUhvZLNKAoVPDsEp13w09xJ!1048871835?path=null/suchergebnisse/kurzbeschreibung&dkz=9478&such=berufstrainer+im+sport

Lehrender auf Reisen – Vielfahrer Michael Kasch liegt die sportliche und menschliche Entwicklung seiner Schützlinge am Herzen

Die nordrhein-westfälischen Autobahnen dürfte Michael Kasch in- und auswendig kennen. Bis zu 1.000 Kilometern verbringt er wöchentlich auf ihnen – seit nunmehr 25 Jahren. Denn seit 1993 ist Michael Kasch Landestrainer des Westdeutschen Basketball Verbandes (WBV) und damit verantwortlich für die Basketball- Nachwuchsförderung in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland. „Und das macht mir immer noch Spaß“, betont der 57-Jährige. Und ergänzt: „Jedenfalls die Praxis. Das viele administrative Drumherum hingegen ist anstrengend und klaut Energie für die eigentliche Trainingsarbeit. Aber natürlich ist es notwendig.“ Zehn bis zwölf Trainingseinheiten je Woche absolviert der gebürtige Ulmer nach wie vor – aber nicht an einem zentralen Stützpunkt. „Das ist in einer Mannschaftssport wie Basketball, die wesentlich abhängig ist von der Arbeit der Vereine, und in der es politisch und gesellschaftlich nicht gewollt ist, nicht möglich.“

Somit fährt der Landestrainer Kilometer um Kilometer zu seinen Athleten und betreut sie in deren heimischen Umfeld. „Mein Landestrainer-Kollege und ich konzentrieren uns auf einige wenige leistungsstarke Standorte, die wir mit unserem Knowhow unterstützen. Ich arbeite primär in Bonn, Leverkusen und Wuppertal und habe es so organisieren können, dass ich an meinen jeweiligen Anwesenheitstagen dort mehrere Einheiten leite und begleite und somit an einem Tag nicht mehrfach pendeln muss. Früher war allerdings selbst das der Fall“, erinnert sich der Diplom- Sportwissenschaftler an die Anfangszeiten seiner Tätigkeit. „1993 war ich der erste und einzige Landestrainer im Verband. Damals habe ich alleine das ganze Land beackert, männlichen und weiblichen Nachwuchs. Durch unsere Erfolge haben wir erwirkt, dass eine zweite volle Stelle eingerichtet wurde und dann auch die Mittel für eine dritte flossen. Diese Mittel verwenden wir für vier geringfügig Beschäftigte, die uns punktuell an einzelnen Standorten unterstützen.“

Punktuell und unterstützen – das dürften die Schlüsselwörter sein. Denn bei 140 Kaderathleten, die Michael Kasch und sein hauptamtlicher Kollege Razvan Munteanu in drei Jahrgängen zu betreuen haben, ist zwar jede Hilfe willkommen, die Arbeitsleistung, die geringfügig Beschäftigte leisten können, aber doch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Unser Ziel lautet eigentlich, dass jeder Kaderathlet eine zusätzliche Individualeinheit je Woche durch ein Mitglied des Trainerteams erhalten soll“, erläutert Kasch seine Philosophie. „In der Realität ist das nicht umsetzbar. Wir erreichen derzeit rund 50% der Kaderathleten. All unsere Kader führen wir bei zentralen Lehrgangs- und Turniermaßnahmen zusammen.“

WBV-Landestrainer Michael Kasch

WBV-Landestrainer Michael Kasch

Um den Kontakt zu seinen Athleten zu intensivieren, steht neben Training, Lehrgängen und Wettkämpfen auch Spielbeobachtung an. „An Wochenendtagen, an denen keine Maßnahmen stattfinden, schaue ich mir Spiele meiner Athleten an. Und so habe ich nicht selten eine Sieben-Tage-Woche.“ Dabei war der Montag eigentlich als freier Tag geplant. „Aber das klappt nicht immer, in diesem Jahr leider gar nicht.“ Fehlende freie Tage – ein Los, das viele hauptberufliche Trainerinnen und Trainer teilen. Die – insbesondere im Nachwuchsbereich – bestmöglich auch noch rund um die Uhr für die Anliegen der Jugendlichen, deren Eltern, Vereinsvertreter und Funktionäre zur Verfügung stehen sollen. Da muss man es erstmal schaffen, sich abzuschotten. „Das musste ich selber lernen“, erinnert sich der Vater eines Sohnes zurück. „Ich hatte selber private Fehlschläge zu verkraften, die aus dem Job resultierten. Heute kann ich das Handy ruhigen Gewissens abschalten und thematisiere das auch immer in Trainerausbildungen, die ich leite. Es ist wichtig, den Trainernachwuchs auch in dieser Hinsicht zu schulen. Sieben Tage à 24 Stunden funktioniert auf Dauer nicht.“

Michael Kasch sollte es wissen. Vor beinahe 40 Jahren begann seine Trainerkarriere: Erwerb der D-Lizenz im Jahr 1979 mit 18 Jahren und die Leitung erster Schul-Abs und Jugendteams im heimischen Ulmer Verein, 1982 Erwerb der C-Lizenz, 1983 nach Abitur und Zivildienst der Wechsel aus dem Schwabenland nach Köln – ein Ortswechsel, der sein Leben entscheidend prägen sollte. Michael Kasch nahm das Studium an der Deutschen Sporthochschule Köln auf,„eigentlich wollte ich damals Lehrer werden.“ Doch der Basketball-Stachel saß schon zu tief. „Als Basketballer habe ich damals in NRW ein tolles Pflaster vorgefunden.“ Es war die Zeit des BSC Saturn Köln, der in den 80er Jahren vier Deutsche Meisterschaften und drei Pokalsiege feierte, und des TSV Bayer 04 Leverkusen, der mit insgesamt 14 DM-Titeln nach wie vor Deutscher Rekordmeister ist und sich mit dem Kölner Erzrivalen um die Titel stritt. „In diesem Umfeld habe ich wahnsinnigen Input erhalten und ganz starke Motivation gespürt. In den 80er Jahren, vor der Insolvenz des Clubs, habe ich die zweite Mannschaft von Saturn Europapokalspiele der Bundesliga-Mannschaft vor 6.500 Zuschauern erlebt. Na klar hat mich das fasziniert.“ Ebenso wie die Zeit in Leverkusen, das von 1990 bis 1996 sieben Titel in Serie feierte und unter Trainerlegende Dirk Bauermann seine besten Zeiten erlebte. „Ich habe 1990 dort in der Nachwuchsabteilung begonnen und durfte unter Dirk Bauermann hospitieren. All das hat mich geprägt und den Weg geebnet“, erinnert sich Kasch.

1993 erwarb er das Trainer-Diplom – und wurde erster Landestrainer des Westdeutschen Basketball Verbandes. Ingo Weiss, heutiger Präsident des Deutschen Basketball Bundes (DBB) und damals Jugendwart des WBV, öffnete die Türen und überzeugte den Landessportbund NRW, die Stelle einzurichten – und Michael Kasch zu engagieren. Seitdem übt er diese Tätigkeit aus, kümmert sich um die Talententwicklung in NRW, aber auch beim DBB, und ist auch nicht frustriert, wenn die größten Talente mit 16, 17 Jahren den Weg in die heutigen Basketball-Hochburgen Bamberg oder München antreten. „Das ist die Situation, mit der wir aktuell konfrontiert sind. Die NRW-Clubs haben an Stärke und Dominanz verloren, einzig die Telekom Baskets Bonn spielen derzeit in der Deutschen Basketball-Liga. Insofern sind wir im Nachwuchs weiterhin top, im Anschlussbereich weniger.“ Kein Grund aber, die Basketball-Schuhe an den Nagel zu hängen. „Vor 30 Jahren hätte ich mir selber sicher einen Vogel gezeigt, hätte man mir diesen Weg skizziert. Heute aber möchte ich nichts anders machen. Meine Frau ist Lehrerin, arbeitet ebenfalls viel und hart, hat aber ganz andere Herausforderungen zu stemmen. Ich schätze mich glücklich, mit diesen jungen, motivierten Menschen zusammenarbeiten zu dürfen.“

Also nichts, was Michael Kasch an seinem Beruf stört? „Doch, natürlich ist der Zeitaufwand immens und könnte die Vergütung besser sein. Aber das ist für mich akzeptabel. Was ich jedoch wirklich vermisse, ist die gesellschaftliche Anerkennung, für das, was ich und alle meine Trainerkollegen leisten. Wir entwickeln die uns anvertrauten Athleten nicht nur sportlich, sondern auch menschlich. Erfolgreiche Trainer vermitteln mehr als Sport. Wenn wir auch keine Lehrer sind, so sind wir doch Lehrende. Und dann trifft es mich, wenn mir auf meine Aussage, ich sei Trainer, entgegnet wird: „Und was machst du sonst so?“

Für Kasch einer der Gründe, Mitglied im BVTDS zu sein und sich im Berufsverband zu engagieren: „Ich möchte das so nicht akzeptieren. Deshalb setze ich mich ein. Für eine bessere Außendarstellung dieses so wertvollen Trainerberufes!“