Gert Zender nimmt Politik in die Pflicht: „Bund und Länder müssen Veränderungen initiieren!“

Harsche Worte sind seine Sache nicht. Nein, angenehm ruhig und sachlich führt Gert Zender den Dialog und seit dem 20.02.2019 als Teil des Präsidenten-Duos an der Seite von Holger Hasse auch den Berufsverband der Trainerinnen und Trainer im Deutschen Sport e.V. (BVTDS). Sehr deutlich und fordernd aber wird Zender, wenn er an die Vielzahl von rechtswidrigen Tatbeständen in Arbeitsverträgen im Sport denkt. Da hat er einige ausgemacht – und er muss es wissen.

Gert Zender

Von 1981 bis 1987 hat der heute 59-Jährige in Trier Jura studiert und ist somit absoluter Fachmann. „Uns ist es nach wie vor ein großes Anliegen, dass die arbeitsrechtlichen Vorgaben in Gänze tatsächlich auch für Trainerinnen und Trainer umgesetzt werden“, so Zender. „Immer wieder ist feststellbar, dass arbeitsrechtliche Vorschriften umgangen und dadurch Berufstrainerinnen und -trainer benachteiligt werden. Zu nennen sind hier unter anderem die Nicht-Beachtung der gesetzlichen Regelungen im Arbeitszeitgesetz sowie unrechtmäßige Befristung von Arbeitsverträgen. Das ist nicht hinnehmbar.“

Seit 2000 setzt sich Gert Zender als Präsident des Verbandes Deutscher Tischtennis Trainer e.V. (VDTT) für die Belange der Trainerinnen und Trainer ein. „2003 gab es die Überlegung, in der Gewerkschaft verdi einen Trainerzweig ’sports union‘ zu gründen. Verdi hat dies aber nicht weiterverfolgt. Als ich aber 2012 von der Gründung des Berufsverbandes als Interessenvertretung hörte, war ich sehr erfreut. Genau solche Institutionen sind notwendig, um Veränderungen im Berufstrainerwesen herbei zu führen.“ Das Gros der rund 1.400 Mitglieder des VDTT sind Basistrainer, die auf Honorarbasis oder gar ehrenamtlich arbeiten. Die Berufstrainerinnen und -trainer sind dort in der Minderzahl. Insofern liegt der Hauptschwerpunkt des VDTT in der Weiterbildung.

Nunmehr kann Zender als Präsident des BVTDS ganz wesentlich die Belange der Profitrainerinnen und -trainer mitgestalten: „Der VDTT hat sich in der Szene einen Namen gemacht. Aber Tischtennis alleine hat nicht die Durchschlagskraft. Der BVTDS mit seinen Mitgliedern aus diversen Sportarten und Verbänden kann hier eine andere Wirkung
erzeugen“, erläutert Zender seine Beweggründe, auch dieses Präsidentenamt zu übernehmen. „Wir müssen uns der Politik gegenüber klar positionieren und verdeutlichen, dass es ebendiese Politik ist, die die Veränderungen initiieren muss. Die Verbände im Bund und in den Ländern hängen am finanziellen Tropf der öffentlichen Hand. Insofern
sind es Bund und Länder, die auch Vorgaben für die Verwendung von Mitteln machen müssen. Mittelzuwendungen müssen zukünftig ganz klar an die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben geknüpft sein.“

Doch auch die Vereine und Verbände sieht der 59-Jährige nicht von ihren Pflichten entbunden. „Sie können sich nicht ihrer Verantwortung entziehen. Selbstverständlich sind auch hier die rechtlichen Rahmenbedingungen einzuhalten.“

All diese Forderungen sind bekanntermaßen nicht neu – aber insbesondere durch die Arbeit in der AG Trainerkonzept des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) besteht die Möglichkeit, sich intensiv in die Diskussion und in die Erarbeitung von Grundlagen einzubringen. „Holger Hasse und ich sind seit der AG-Gründung ihr Bestandteil. Ich bin guter Dinge, dass die Ausarbeitungen und deren Umsetzung die Situation der Trainerinnen und Trainer nachhaltig verbessern werden.“ Auch dem Gespräch mit Beate Lohmann, Abteilungsleiterin Sport im Bundesministerium des Inneren, blickte Gert Zender freudig und optimistisch entgegen. „Das sind genau die Gespräche, die wir benötigen, um unserer Sache Gehör zu verschaffen und über unsere Vorstellungen zu informieren. Es ist ein hartes Brett zu bohren, insbesondere auf der Länderebene, aber wir sind zuversichtlich.“

Zuversichtlich ist er auch, was die Entwicklung des BVTDS angeht. Für das kommende Strategiemeeting des frisch gewählten Präsidiums erstellt er gemeinsam mit Holger Hasse derzeit ein Arbeitspapier, das Ziele und Wege zur Zielerreichung aufzeigen soll. Ein wesentliches Vorhaben muss die Gewinnung weiterer Mitglieder sein. „Wie wir das erreichen, um uns eine noch deutlichere Stimme zu verschaffen, das müssen wir erarbeiten. Wir müssen medial möglichst präsent sein und unsere Vorhaben immer wieder in der Öffentlichkeit präsentieren“, so der Volljurist. Aber auch die berufliche Ausbildung von Trainerinnen und Trainern ist Zender ein Anliegen. Die duale Berufstrainer-Ausbildung des Deutschen Skiverbandes unter der Führung von Jürgen Wolf dient hier als Vorzeigeprojekt. „Für diese Idee müssen wir weitere Verbände gewinnen.“

Beinahe übrigens wäre auch aus dem heutigen Verwaltungsjuristen ein Berufstrainer geworden. Als leidenschaftlicher Trainer stand er eines Tages vor der Wahl: A-Trainerausbildung oder zweites juristisches Staatsexamen. Die Wahl fiel auf das zweite Staatsexamen, das Zender 1991 nach Magdeburg führte und ihn zum Leiter der Abteilung Umwelt/Landwirtschaft im Landesverwaltungsamt Halle an der Saale aufstiegen ließ. „Das Trainer-Dasein habe ich nach 1991 noch zehn Jahre fortgeführt“, erinnert sich der B-Trainer. Von 1991 bis 1993 agierte er als Trainer einer Regionalliga-Mannschaft in Trier, ab 1993 dann als Cheftrainer der Damen-Bundesligisten SV Böblingen und SV Winterwerb – mit großem Erfolg. Mit dem SV Böblingen gelang das Erreichen des Europapokal-Halbfinals ebenso wie Rang drei in der Meisterschaft. „Zu dieser Zeit bin ich regelmäßig gependelt. Montags bis freitags habe ich gearbeitet, samstags und sonntags war ich bei der Mannschaft. Für Vorbereitungslehrgänge ging der Urlaub drauf. Das war eine herausfordernde Zeit“, so Zender. Die 2000 endete. Bekanntlich mit der Übernahme des Präsidentenamtes beim VDTT.

Olaf Leib diskutiert beim Sportpolitischen Forum der CDU-Fraktion im sächsischen Landtag überdas „Berufsbild des Trainers in Sachsen“

Olaf Leib

Olaf Leib

Olaf Leib, Vizepräsident Finanzen im BVTDS, wird am 27. Juni am Sportpolitischen Forum der CDU- Fraktion im sächsischen Landtag in Leipzig teilnehmen. Das Forum steht unter dem Titel „Das Berufsbild des Trainers in Sachsen“. Diskutiert werden sollen u.a. die Fragestellungen „Was kann der Freistaat leisten, damit die Trainerausbildung am Standort Leipzig für den Spitzensport noch attraktiver wird?“ und „Wie können wir in Zukunft den Trainerberuf in Sachsen stärker fördern?“ Eines der Impulsreferate wird Jürgen Wolf, Leiter der Trainerschule des Deutschen Skiverbandes (DSV), halten. Der DSV hatte 2018 unter der Führung von Jürgen Wolf die duale Berufstrainer- Ausbildung initiiert, die mit dem Bachelor, erworben am Standort Leipzig, abschließt.

Wie viel Nähe ist erlaubt? Projekt „TraiNah“ der Uni Ulm untersucht brisante Fragestellung

Am 7. Mai vertrat Christine Adams, Vizepräsidentin Sport, den BVTDS beim Auftakttreffen des Projektes „TraiNah“ des Uniklinikums Ulm. Das Projekt widmet sich der Fragestellung, wie viel Nähe im Zusammenspiel Trainer*in und Athlet*in im Nachwuchsleistungssport angemessen und erlaubt ist. Eine Fragestellung, die aufgrund der gesellschaftlichen Diskussionen um sexuelle Belästigungen und Übergriffe im Sport aktuell sehr präsent ist und Trainerinnen und Trainer durchaus auch verunsichert.

Christine Adams

Christine Adams

Das Projekt möchte durch Befragungen von Trainer*innen sowie Athlet*innen aus dem Nachwuchsleistungsbereich den Umgang mit Nähe und Distanz sowohl aus Perspektive der Trainer*innen als auch der Athlet*innen untersuchen und darauf aufbauend Trainer*innen-Schulungen zum Thema Nähe und Distanz in Sportgruppen entwickeln, diese anschließend durchführen und schließlich evaluieren.

Bereits im August sollen 16 Telefon-Interviews mit Trainerinnen und Trainern geführt werden und im Februar 2020 um eine Onlinebefragung ergänzt werden. Die Schulungs-Workshops sollen im November 2020 starten. Der BVTDS wird das Projekt unterstützen und bei Interesse an Interviews Kontakt herstellen sowie Links zur Onlinebefragung an seine Mitglieder weiterleiten.

Weitere Infos gibt es unter dem folgenden Link: https://www.uniklinik-ulm.de/kinder-und- jugendpsychiatriepsychotherapie/forschung-und-arbeitsgruppen/arbeitsgruppe-gewalt- entwicklungspsychopathologie-und-forensik/trainerinnen-als-zentrale-akteurinnen-in-der- praevention-sexualisierter-gewalt-umgang-mit-naehe-und-distanz-im-verbundsystem- nachwuchsleistungssport.html

Positive Signale nach Austausch mit Beate Lohmann im BMI

Ein positives Fazit zog das Präsidenten-Duo des Berufsverbandes der Trainerinnen und Trainer im deutschen Sport e.V. (BVTDS), Holger Hasse und Gert Zender, nach seinem „Antrittsbesuch“ im Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat (BMI) in Berlin. Rund 90 Minuten hatten Hasse und Zender Gelegenheit, sich mit Ministerialdirigentin Beate Lohmann, die seit Mai 2018 die Abteilung Sport im BMI verantwortet, Ministerialdirigent Tobias Wiemann und Dr. Matthias Schmoll (Vertreter des BMI in der AG Trainerkonzept des DOSB) auszutauschen. „Es war ein sehr guter Termin“, so Holger Hasse. „Frau Lohmann war sehr interessiert und hat uns Raum gegeben, den BVTDS und unsere Vorstellungen von unserer zukünftigen Rolle im deutschen Sportsystem vorzustellen.“

Beate Lohmann, Abteilungsleiterin Sport im BMI

Beate Lohmann, Abteilungsleiterin Sport im BMI

Alle wesentlichen Forderungen des BVTDS wurden thematisiert, wobei zwei Punkte besonders hervorzuheben sind: Die institutionelle Unterstützung des Berufsverbandes sowie die Novellierung der Förderrichtlinien der Verbände. „Athleten Deutschland e.V. erhält öffentliche Zuschüsse vomBMI, um seine Arbeit auf einer professionellen Basis betreiben zu können. Das unterstützen wir ausdrücklich, fordern Gleiches aber auch für uns als Trainerverband. Zudem wollen wir uns als BVTDS in die Novellierung der Förderrichtlinien einbringen“, erläutert Holger Hasse.

Beleuchtet wurde auch die Situation der Trainerinnen und Trainer auf Landes- und Vereinsebene, auch wenn das BMI für diese keine direkte Verantwortung trägt. Einig war man sich aber, dass auf dieser Ebene gut ausgebildeter Trainernachwuchs für die Betreuung der Bundeskader zu finden ist und somit deren Qualifizierung intensiviert werden muss.

Beate Lohmann stellte in Aussicht, künftig bei trainerspezifischen Fragen die Meinung des BVTDS einzuholen. „Wir haben positive Signale erhalten. Jetzt werden wir sehen, was in der Umsetzung geschieht“, so Holger Hasse.

Holger Hasse diskutierte mit weiteren Experten im Dlf-Sportgespräch über die Trainersituation in Deutschland

BVTDS-Präsident Holger Hasse war zu Gast beim Sportgespräch des Deutschlandfunks. Rund 30 Minuten diskutierte Holger Hasse gemeinsam mit Ralf Holtmeyer (Chef-Bundestrainer Rudern) und Beate Ludewig (Bundesstützpunkt-Koordinatorin Schwimmen) über die Rolle sowie die Herausforderungen der Trainerinnen und Trainer im deutschen Leistungssport und erläuterte, welche Lösungsansätze der BVTDS zur Verbesserung verfolgt.

So forderte der ehemalige Chef-Bundestrainer Badminton u.a. eine angemessene Vergütung nach einem Tarifvertragsmodell, clevere Modelle der Arbeitszeit und deren Erfassung sowie eine Gleichstellung von Männern und Frauen. In der AG Trainerkonzept des DOSB seien entsprechende Vorschläge erarbeitet worden, die nun zur Prüfung in die Spitzenverbände gingen, um dann der DOSB-Mitgliederversammlung vorgelegt zu werden.

Hier geht’s zum spannenden Beitrag in der Dlf-Audiothek:

https://www.deutschlandfunk.de/trainer-im-spitzensport-es-gibt-viele-die-ausgestiegen-sind.892.de.html?dram:article_id=450529

BVTDS fordert Umsetzung des EuGH-Urteils und exakte Arbeitszeiterfassung auch für Trainerinnen und Trainer

Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom 14.05.2019, das die EU-Staaten und deren Arbeitgeber zur konkreten Erfassung der exakten Arbeitszeit verpflichtet, fühlt sich der Berufsverband der Trainerinnen und Trainer im deutschen Sport e.V. in seiner Haltung bestätigt: „Wir fordern seit unserem Bestehen die Umsetzung und Anwendung des Arbeits- und Arbeitsschutzgesetzes für Berufstrainerinnen und -trainer im deutschen Sport. Das kann nur geschehen, wenn die geleistete Arbeit auch tatsächlich erfasst wird“, so Holger Hasse, Präsident des BVTDS und ehemaliger Chef-Bundestrainer des Deutschen Badminton-Verbandes. „Die Praxis zeigt, dass die meisten Trainerinnen und Trainer viele Überstunden leisten, die nicht bezahlt oder ausgeglichen werden. Daher fordern wir die schnellstmögliche und konsequente Umsetzung des EuGH-Urteils.“

In der Praxis sieht Hasse ebenso wie sein Präsidentenkollege Gert Zender das Arbeitszeit- gesetz an vielen Stellen umgangen: „Es muss zur Beendigung der gängigen Praxis kom- men. Die arbeitsrechtlichen Vorgaben sind in Gänze umzusetzen. Ein weiterer großer Kritik- punkt unsererseits ist die übliche Praxis der befristeten Kettenverträge, die gegen geltendes Recht verstößt!“, so der Volljurist Gert Zender.

Sehr positiv bewertet der BVTDS auch die am 15.05.2019 von Bundesinnenminister Horst Seehofer vorgestellte Erhöhung der Förderung von Spitzensportlern durch das Bundes- ministerium des Inneren bzw. die Stiftung Deutsche Sporthilfe. Rund 2.000 Olympia-Kader und Nachwuchsathleten sollen demnach rückwirkend zum 01.01.2019 eine deutlich höhere Grundförderung von mindestens 700,00 Euro monatlich (bis dato 300,00 Euro) erhalten. Dafür stellt der Bundestag für die Haushaltsjahre 2019 und 2020 je 7 Mio Euro bereit.

„Das Bundesinnenministerium stellt fest, dass dem Ziel der Neustrukturierung der Spitzen- sportförderung und des Koalitionsvertrags damit wesentlich Rechnung getragen wird. Der BVTDS begrüßt diese politische Entscheidung. Wir mahnen aber gleichzeitig an, dass nun auch eine Entscheidung zur Erhöhung der Zuwendungen für Trainerinnen und Trainer im Hochleistungssport folgen muss. Schließlich üben Trainerinnen und Trainer eine wichtige Schlüsselfunktion für unsere Athletinnen und Athleten aus“, so Gert Zender.

Neuwahl: Holger Hasse und Gert Zender führen das BVTDS-Präsidium an

Der Berufsverband der Trainer/innen im Deutschen Sport e.V. (BVTDS) hat im Rahmen seiner Mitgliederversammlung ein neues Führungsgremium gewählt. Künftig werden Holger Hasse (Neviges), Geschäftsführer des Badminton-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen und ehemaliger Cheftrainer des Deutschen Badminton-Verbandes sowie Gert Zender (Halle/Saale), Volljurist und Präsident des Verbandes Deutscher Tischtennis-Trainer, als Präsidenten-Duo die Geschicke des Berufsverbandes leiten. Eine Satzungsänderung führte zur Wahl eines gleichberechtigten Präsidenten-Gespannes.

Gert Zender

Gert Zender

Holger Hasse

Holger Hasse

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Holger Hasse agierte bereits in den vergangenen Jahren als Vize-Präsident an der Seite der langjährigen Präsidentin Dafni Bouzikou, die das Amt seit der Gründung des Berufsverbandes im Jahr 2012 innehatte. „Dafni Bouzikou hat in ihrer Amtszeit dem noch jungen Trainerverband im öffentlichen Sport Gehör verschafft. Wir sind ihr für ihren Einsatz zu großem Dank verpflichtet“, so Hasse.

Komplettiert wird das BVTDS-Präsidium durch Olaf Leib (Chemnitz), Präsident und Landestrainer des Sächsischen Box-Verbandes, der im Berufsverband seit Jahren als „Vizepräsident Finanzen“ fungiert, Christine Adams, Teamleiterin Stabhochsprung im Deutschen Leichtathletik Verband und im BVTDS als „Vizepräsidentin Sport“ tätig, Simone Lammers, Lehrerin, ehemalige Landestrainerin des Bremer Badminton Verbandes und „Vizepräsidentin Chancengleichheit“, Chris Faust, langjähriger Bundesliga- und Verbandstrainer Hockey und „Vizepräsident Prävention“ sowie durch Nikolas Müller (Hockey-Bundesligatrainer TG Heimfeld und Rechtsanwalt) als „Vizepräsident Recht“.

Der BVTDS vertritt die Interessen von mehreren tausend Berufstrainerinnen und Berufstrai- nern in Deutschland. Die Mitglieder des BVTDS, zu denen auch namhafte Bundestrai- ner/innen gehören, arbeiten auf Vereins-, Landes- und Bundesebene. „Seit Jahren ist durch wissenschaftliche Studien belegt, dass die Arbeitsbedingungen der Trainerinnen und Trainer insbesondere im Vergleich zu anderen Führungstätigkeiten verbessert werden müssen. Dabei ist es erfreulich, dass dies im Gegensatz zu früher in vielen Sportorganisationen mittlerweile ebenso gesehen wird. Entscheidend wird aber die Umsetzung sein, für die wir engagiert kämpfen werden“, so Holger Hasse.

„Der Verband setzt sich aber auch für die gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung der Trainerinnen und Trainer in der Öffentlichkeit ein. Natürlich stehen Athletinnen und Athleten im Mittelpunkt der Wahrnehmung. Aber auch Trainerinnen und Trainer, die mit ihrer Arbeit den Grundstein für die sportlichen Leistungen liefern, müssen mehr Erwähnung finden. Das ist zu selten der Fall, es sei denn, es handelt sich um medial top-platzierte Sportarten wie Fußball“, bedauert der langjährige Tischtennis- Bundesligatrainer Gert Zender.

Beim Deutschen Skiverband begann mit seinem dualen Vorzeige-Studium ein neues Ausbildungs-Zeitalter

Am 1. Oktober begann für acht junge Menschen ihr neues Leben als Berufstrainer: Der Deutsche Skiverband startete seine in Deutschland noch einmalige duale Berufstrainer-Ausbildung. Innerhalb von 54 Monaten erwerben die Absolventen die Trainerlizenzen C, B und A, im Anschluss den Abschluss als Diplom-Trainer und zu guter Letzt noch den Bachelor of Arts Sportwissenschaften. „Wir haben in einigen Skidisziplinen einen erhöhten Altersdurchschnitt der derzeit tätigen Trainer festgestellt“, so Jürgen Wolf, als Leiter der DSV-Trainerschule im bayerischen Planegg für die Konzeption des dualen Studiums zuständig. „Darüber hinaus beklagen einige unserer Landesverbände einen grundlegenden Mangel an hauptberuflichem Trainerpersonal. W ir versprechen uns von dieser Kombination aus qualifizierter wissenschaftlicher Ausbildung und hohem Praxisbezug einen hohen Anreiz für skisportaffine Berufseinsteiger. Die Möglichkeit, die vielfältigen Ausbildungsschritte innerhalb kurzer Zeit im Block absolvieren zu können, dabei immer in der Praxis tätig zu sein, eine Ausbildungsvergütung zu erhalten und sogar einen akademischen Abschluss zu erwerben, sollte eine hohe Motivation sein.“

Jürgen Wolf ist der Initiator der Berufstrainer-Ausbildung des Deutschen Skiverbandes.

Jürgen Wolf ist der Initiator der Berufstrainer-Ausbildung des Deutschen Skiverbandes.


Wie es aussieht, kommt das neue Konzept an. Sechs bis acht Teilnehmer je Jahrgang strebt der DSV an, um so im gesamten Bundesgebiet ausreichend hochqualifizierten Trainernachwuchs zu generieren. „Mit den acht Startern in 2018 sind wir also gut dabei. Im Moment gehe ich davon aus, dass wir zukünftig mehr Bewerber als Ausbildungsplätze haben werden“, so Jürgen Wolf. Die möglichen Einsatzstellen der Absolventen können Vereine, Stützpunkte oder Verbände sein. „Voraussetzung ist, dass die Einsatzstellen eine Vergütung zahlen, die sich an den Gehältern in kaufmännischen Ausbildungsberufen orientiert und dass den Azubis ein Mentor zur Seite steht und sie begleitet. Dieser muss mindestens Diplom-Trainer sein. Wir möchten somit die Qualität der berufsbegleitenden Ausbildung sicherstellen.“

Während die skispezifischen Trainerausbildungen innerhalb der ersten zwölf Monate zentral durch die DSV-Trainerschule durchgeführt werden, findet das Diplom-Trainer-Studium wie gewohnt über drei Jahre an der Trainerakademie Köln statt. Nach Abschluss dieser in Summe 48 Monate haben die Teilnehmer zwei Möglichkeiten: Sie können über die IHK München ergänzend den Abschluss des Sportfachwirt erwerben und darüber hinaus an der sportwissenschaftlichen Fakultät der Uni Leipzig den akademischen Bachelor anstreben. „Wir sind sehr froh, dass die Uni Leipzig den Diplom-Trainer mit 160 von 180 notwendigen Credit Points anerkennt. Damit müssen die Absolventen nur noch ein Semester in Leipzig absolvieren sowie eine Bachelorarbeit einreichen, um ihren Abschluss zu erhalten“, erläutert Wolf.

Die anfallenden Kosten sind hoch – aber im Zuge der gewünschten Personalentwicklung sinnvoll eingesetzt. Der DSV die Kosten für die Lizenzausbildung und die Studiengebühren, die Arbeitgeber zahlen die Vergütung und der Student die Kosten für Anreisen und Übernachtungen. „Wobei hier eine Unterstützung der Arbeitgeber wünschenswert ist“, so Wolf.

BVTDS-Vize Holger Hasse ist voll des Lobes für das Engagement des DSV. „Ich halte diesen Weg für sehr gelungen, um qualifiziertes Trainerpersonal zu gewinnen und den Beruf mit der notwendigen Wertschätzung zu versehen. Es wäre wünschenswert, andere Verbände schlössen sich diesem Modell an.“

Einen entsprechenden Aufruf werden Michael Scharf, der neue Leistungssportdirektor des LSB- NRW, und Lutz Nordmann, Direktor der Trainerakademie Köln, am 7. November an die Landesfachverbände in Nordrhein-Westfalen richten. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung an der Trainerakademie werden Scharf und Nordmann über die Möglichkeiten von LSB, Trainerakademie, BVTDS und dem Deutschen Skiverband berichten, eine Berufstrainer-Ausbildung in NRW zu etablieren. Auch Holger Hasse wird zugegen sein und den Standpunkt des BVTDS vertreten: „Für den BVTDS und mich persönlich ist die Qualifizierung von Trainerinnen und Trainern eine Herzensangelegenheit. Die Berufstrainerausbildung ist eine zukunftsweisende Maßnahme, um nachhaltig Personalressourcen zu sichern. Wir als Berufsverband sind bereit und interessiert daran, uns auch zukünftig intensiv für Gestaltung und Durchführung dieser Ausbildung zu engagieren.“

Die brisante Frage nach dem Beruf – Trainerin oder Psychologin? Heute ist Carla Strauß auch „offiziell“ Trainerin aus Überzeugung

Als ihr das Arbeitspapier als Badminton-Trainerin zur Unterschrift vorgelegt wurde, war sie ein wenig irritiert. „Die Vergütung empfand und empfinde ich als ziemlich gering. Das Einstiegsgehalt nach meiner Ausbildung war ähnlich“, erinnert sich Carla Strauß. Bitter, denn zwischen dem Ende der Ausbildung zur biologisch-technischen Assistentin und der Aufnahme der hauptamtlichen Trainertätigkeit lagen rund 15 Jahre – und ein ganzes Studium. Diplom-Psychologin ist die heute 36- Jährige. Und eigentlich wollte sie auch noch promovieren. Bis sie spät der V irus der Badmintontrainerin infizierte.

Schon als Aktive war sie Quereinsteigerin, erst im Alter von 15 Jahren fing sie an, Badminton zu spielen, nachdem sie für das Geräteturnen zu groß geworden war. Einige Jahre später war sie Mitglied in einem Verein, der selber kein Nachwuchstraining anbot. „Das hat mich gestört, also habe ich angefangen, Training anzubieten und die Trainerlizenz zu erwerben“, so die „Spätberufene“. 2014 absolvierte sie die C-Lizenz, es sollte eine „Bilderbuchkarriere“ folgen. Berliner Vereine interessierten sich für die engagierte Trainerin, fragten an, es folgte der Weg zum Landesleistungszentrum des Badmintonverbandes Berlin-Brandenburg (BVBB) und die Möglichkeit, sich immer weiter in den Trainings- und Wettkampfbetrieb des Landesverbandes einzubringen. Am Landesleistungsstützpunkt und Nachwuchsstützpunkt des Deutschen Badminton Verbandes Berlin war 2017 eine halbe Trainerstelle zu besetzen – und Carla Strauß griff zu, nachdem sie 2016 die B- Lizenz erworben hatte. „Eigentlich wollte ich parallel zu dieser halben Stelle promovieren. Aber mein Arbeitsvolumen wurde mehr und mehr, so dass ich heute eine volle Stelle als Verbandstrainerin inne habe und meine Promotion abgebrochen habe.“

Carla Strauß

Carla Strauß


Auch der Deutsche Badminton-Verband (DBV) wurde auf die engagierte und ambitionierte Trainerin aufmerksam. Ende 2017 wurde sie auf Vorschlag von Dirk Nötzel, Bundestrainer Talententwicklung im DBV, zu dessen Co-Bundeshonorartrainerin berufen und unterstützt ihn in seiner Arbeit in den Altersbereichen und U11 und U13. „Carla bringt sich voll ein und hat sich innerhalb kurzer Zeit sehr entwickelt“, so Nötzel, der in der DBV-internen Ausbildung zur Elitetrainerin als Mentor von Carla Strauß fungiert. „Wenngleich sie noch nicht so lange dabei ist, ist sie eine sehr wertvolle Unterstützung. Zu Beginn ihrer Tätigkeit hat sie aufgrund ihrer Studienkenntnisse insbesondere in Sachen Wettkampfverhalten und mentale Stärke wichtige Impulse geben können und den Spielern vieles mitgegeben. Heute ist sie in allen Bereichen eine gleichwertige Mitstreiterin.“

Keine Frage also: Die schnelle berufliche Entwicklung der Trainerin Carla Strauß fußt auf ihren eigenen Kompetenzen. Gleichzeitig steht ihr Werdegang aber auch für das strukturelle Trainerproblem im deutschen Sport, das auch für die Sportart Badminton gilt: Es gibt nur wenige kompetente Trainer und noch weniger Trainerinnen, die den hauptberuflichen Weg einschlagen. Wenn sie sich aber finden, stehen ihnen bei entsprechender Qualität alle Wege offen. Die Zahl der hauptamtlichen Trainerinnen im Badminton – inklusive Teilzeitbeschäftigungen – kann man ziemlich genau an einer Hand abzählen. „Leider“, findet Nötzel. „Trainerinnen sind eine notwendige Bereicherung. Aber sie zu gewinnen, ist nahezu unmöglich“. Warum das so ist? Für Nötzel liegt es an der Unvereinbarkeit von Familie und Beruf. „Wenn am späten Nachmittag und Abend Training angesetzt ist, ist die Kita nicht geöffnet, eine Schulbetreuung gibt es auch nicht. Wenn man also kleine Kinder hat, ist der Trainerberuf eine besondere Herausforderung, die kaum Frauen eingehen.“

Eine Sicht, der sich Carla Strauß anschließt: „Die Badmintonwelt ist für das Familienleben nicht klar. Zwei bis drei Wochenenden im Monat weg von daheim zu sein, ist mit Kindern bestimmt schwierig, wobei es immer auf die familiäre Gesamtkonstellation ankommt.“ Ihre persönliche Familienkonstellation kommt ihr zu Gute. Kinder sind noch keine im Haus, „mein Mann verdient gut, so dass er mein geringeres Gehalt ausgleicht“, so Carla Strauß. „Ohne diese finanzielle Absicherung wäre es mit meinem Gehalt aber schwer, ein Leben mit dem Standard zu führen, den man sich in einem bestimmten Alter vorstellt.“ So aber konnte sie es sich erlauben, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen und das Trainerin-Dasein dem Psychologin-Dasein vorzuziehen, in dem eine deutlich höhere Vergütung winken würde. „Finanziell ist der Job der Badminton- Trainerin eher unattraktiv. Man arbeitet zwei bis dreimal so viel wie man verdient, das passt nicht. Der Trainerberuf muss sich zu einer Beschäftigung entwickeln, die sich auch finanziell lohnt und nicht nur wegen der vielen positiven persönlichen Erfahrungen eine Bereicherung ist“, fordert die Berlinerin.

Sie selber wollte diesen Weg unbedingt einschlagen – trotz des wenig verlockenden Vertragsangebotes und trotz der guten Berufsperspektiven als Psychologin. „Ich arbeite derzeit primär und hauptverantwortlich mit Kindern in den Altersklassen U11 und U13 und finde es sehr attraktiv, aber auch wichtig, die jungen Persönlichkeiten langfristig zu begleiten. In der Psychologie bin ich spezialisiert auf Personalberatung in der Arbeits- und Organisationsentwicklung. Aber in diesem Bereich muss ich unterschiedlichen Menschen immer wieder das Gleiche verkaufen. Das finde ich deutlich weniger reizvoll als die langfristige Begleitung der Kinder.“

Ihre Arbeit sieht sie als Prozess, auch als persönlichen. „Ich bin noch eine junge Trainerin, mir fehlt noch viel Erfahrung. Dafür bin ich unverbraucht und bringe neue Ideen in die Betreuung ein. Ich bin flexibel und voller Leidenschaft zur Entwicklung der jungen Menschen beizutragen.“ In ihrem Berliner Badmintonumfeld sieht Carla Strauß noch viel Potenzial für die Einbindung weiterer Gleichgesinnter. „Der Bedarf an weiteren engagierten Trainerinnen und Trainer ist definitiv vorhanden. Im Verband machen wir zu zweit die Arbeit von drei bis vier Personen, aber auch den Vereinen würde eine Hauptamtlichkeit, egal in welchem Umfang, gut tun. Meiner Kenntnis nach beschäftigt ein Berliner Verein einen hauptamtlichen Trainer, ich hoffe aber, dass es in Zukunft mehr werden. Wenn die Vereine clever sind und ihr Training qualitativ hochwertig absichern wollen, dann muss das der Weg sein. Und wenn es sich in ersten Schritten um geringfügig beschäftigte Studenten handelt.“

Ein „Mehr“ an hauptamtlichen Trainerinnen und Trainern verbindet Carla Strauß mit einem weiteren positiven Effekt: Es könnte die öffentliche Wahrnehmung von Trainerinnen und Trainern verbessern. „Hauptamtlichkeit unterstreicht, dass ein Trainer nicht der engagierte Vater ist, der sich „nebenher“ einbringt, sondern dass der Trainertätigkeit eine fundierte Aus- und Weiterbildung zu Grunde liegt. Und dass diese Tätigkeit eine hohe Verantwortung inne hat, die wiederum eine hohe Anerkennung verdient. Nach meinem Empfinden fehlt es in der gesellschaftlichen Breite an eben dieser Anerkennung“, ergänzt Strauß und gesteht: „Zu Beginn meiner Tätigkeit habe ich häufig gezweifelt, ob ich Badminton-Trainerin oder Psychologin sage, wenn ich nach meinem Beruf gefragt wurde.“

Das Standing des Trainerberufes zu verbessern, ist auch eines der Hauptanliegen des BVTDS. Insofern war eine Mitgliedschaft im Berufsverband für Carla Strauß naheliegend, als BVTDS-Vize Holger Hasse als Referent bei der A-Trainerausbildung mit den Aufnahmeanträgen für den Berufsverband wedelte. „Ich halte es grundsätzlich für eine gute Sache, wenn sich Interessenvertreter bemühen, an den richtigen Stellen vorzusprechen und für die Gesamtheit einstehen. Das ist sicher effektiver, als wenn jeder einzeln probiert, an Türen zu rütteln.“ Wer weiß: Vielleicht eröffnet das Engagement des Berufsverbandes auch Wege, ihr Gehalt zu erhöhen…