Nach Olympia: Diemo Ruhnow wechselt vom Court ins Klassenzimmer

Seit einigen Tagen laufen die Olympischen Spiele in Tokio. Mit dabei: 156 Trainerinnen und Trainer, welche die deutschen Athletinnen und Athleten zu Olympia geführt haben und auch dort zu Erfolgen begleiten möchten. Wir lassen in den kommenden beiden Wochen Kolleginnen und Kollegen zu Wort kommen und freuen uns über deren Sicht auf Tokio, ihre Erwartungen an die Wettkämpfe und den Blick auf die eigene Karriere.

Zum Auftakt sprechen wir mit Diemo Ruhnow, als Leitender Bundestrainer des Deutschen Badminton Verbandes für Doppel und Mixed vor Ort.

BVTDS: Du erlebst in Tokio deine ersten Olympischen Spiele, deinen Karriere-Höhepunkt und -Abschluss zugleich. Und das unter Corona-Bedingungen. Sicher hast du dir deine Premiere ein wenig anders vorgestellt. Wie erlebst du Olympia mit oder trotz der Rahmenbedingungen?

DR: Es ist natürlich etwas schade, dass wir Tokio und auch die Zuschauer hier nicht wie sonst erleben können. Auch die Abschlussfeier nicht miterleben zu können, war ein kleiner Wermutstropfen. Aber es geht für mich in allererster Linie um das Sportliche und da fällt es natürlich jetzt wesentlich einfacher, sich ohne Störfaktoren auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Abläufe sind ähnlich, wie wir sie auch von den Japan Open kennen. Wir sind knapp eine Woche vor dem Wettkampf ins Dorf eingezogen, haben täglich Training und ansonsten stehen Videoanalyse und Vorbesprechung an – wie auch bei anderen Großmaßnahmen. Die Gesamtatmosphäre ist natürlich etwas Besonderes, tausende Athleteninnen und Athleten sowie und Betreuerinnen und Betreuer aus aller Welt im Dorf. Etwas schade ist, dass wir hier mit einem sehr kleinen Betreuerteam arbeiten müssen, aber ich freue mich auch auf ein letztes Zusammenarbeiten mit meinen guten Kollegen hier vor Ort.

BVTDS: Als Leitender Bundestrainer bist du vor Ort für das Herrendoppel mit Mark Lamsfuß und Marvin Seidel und sowie für das Mixed Mark Lamsfuß/Isabel Herttrich verantwortlich. Wie schätzt du die Chancen deiner und der weiteren deutschen Badminton-Athletinnen und -Athleten ein? Hast du, habt ihr, Medaillenhoffnungen?

DR: Wir haben uns in den letzten Jahren sehr gut entwickelt, das zeigen auch die Erfolge, die wir auf dem Weg nach Tokio gefeiert haben. Für Isabel, Mark und Marvin sind es die ersten Spiele, sie sind noch jung. Bis auf die Amerikaner im Herrendoppel haben wir insgesamt fünf Gegner, die entweder schon Weltmeister, Vize-Weltmeister oder im schlechtesten Fall schon auf Weltranglistenplatz 2 standen. Die wir allerdings schon schlagen konnten, oder zumindest nah dran waren. Wir sind daher mit Sicherheit nicht die Gruppenfavoriten, aber wir können jeden einzelnen Gegner auch schlagen. Am Spieltag muss dann alles passen – aber dafür haben wir in der Vorbereitung auch alles getan und gehen mit breiter Brust ins Turnier. Wir haben das Viertelfinale fest im Blick und wollen dann auch mehr!

BVTDS: Thema Karriereabschluss: Nach Olympia wird sich dein Leben radikal ändern: Klassenraum statt Sporthalle. Du wirst Lehrer für Sport und Mathematik an der Klaus-Groth-Schule in Tornesch, in der Nähe von Hamburg, wo deine Familie bereits heimisch geworden ist. Im Alter von 40 Jahren schlägst du ein neues Kapitel auf. Was hat zu dieser Entscheidung geführt?

DR: Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, der mehr oder minder per Zufall entstanden ist, als ich vor ein paar Jahren einfach mal in die Schule nebenan „hineinspaziert“ bin. Der Trainerberuf ist ein toller, der aber in Deutschland leider nicht so gewürdigt und wertgeschätzt wie in anderen Ländern. Ich habe jetzt zwei kleine Söhne, die ich aufwachsen sehen und für die ich als Vater da sein will. Der Deutsche Badminton Verband hat sich schon sehr gestreckt und mir für die Zeit nach Tokio ein gutes Arbeitsumfeld in anderer Funktion mit viel Home Office geboten. Aber jeder Bundestrainer-Posten ist mit viel Reise-, Wochenend- und Gesamtarbeitsvolumen behaftet. Hier müssen wir strukturell in Deutschland einfach besser werden. Ich denke, beim Badmintonverband sind wir schon sehr fortschrittlich, zum Beispiel mit entfristeten Verträgen. Wenn ich da von anderen Kollegen höre, dann steht für mich der Deutsche Sport oft auf sehr wackligen, unsicheren Beinen. Das ist schade – der Trainerjob ist ein toller Beruf.

BVTDS: Siehst du grundsätzlich strukturelle Defizite für den Trainerberuf im deutschen Sport? Nicht wenige hauptberufliche Trainerinnen und Trainer kehren – wie du auch schon erwähnt hast – ihrem einstigen Traumjob nach irgendwann den Rücken. Was gilt es aus deiner Sicht zu verändern?

DR: Die Entlohnung im Vergleich zum Ausbildungsniveau – und hier spreche ich noch nicht von der wichtigen Erfahrung, die sich erst im Laufe der Tätigkeit ansammelt – ist meiner Einschätzung nach zu gering. Top-Trainer sind breit ausgebildete Führungskräfte. Ich selber habe mittlerweile drei Hochschulstudien (BSc Mathematik, MSc Sport Coaching, MBA) sowie den Diplom-Trainer absolviert. Aber mein Gehalt als Leitender Trainer an der Spitze entspricht aber in etwa dem eines Berufseinsteigers nach dem Mathematikstudium. Aus meiner Sicht sollte der Trainerberuf finanziell mindestens mit dem Lehrerberuf gleichgestellt, denn Toptrainer halten wir nur, wenn wir auch beim Gehalt international konkurrenzfähig sind. Wenn ich höre, dass Bundestrainerkollegen Schwierigkeiten haben, einen Hauskredit zu bekommen, weil sie stets mit befristeten Kettenverträgen beschäftigt werden, ist das einfach nicht in Ordnung.

BVTDS: Ist das deiner Einschätzung nach insbesondere ein Problem in Deutschland?

DR: Ja, das ist im Ausland oft anders – und da spreche ich noch nicht einmal von der Wertschätzung, die man als Trainer in Asien oder Amerika erfährt. Ich selber war in Österreich vor einigen Jahren in Österreich tätig, in einem sehr kleinen Badminton-Land. Aber dort habe als ich als Jugend-Nationaltrainer im Jahr 10.000 Euro netto mehr verdient denn als Disziplinbundestrainer. In Frankreich sind die Trainer direkt beim Staat angestellt und haben die Sicherheit, dass sie auf einen anderen Posten im Verband oder im öffentlichen Dienst eingesetzt werden können, sollten sie mal vom Bundestrainerposten ausscheiden wollen oder müssen. Aber nochmal: Der Trainer-Job an sich ist ein toller. Man muss sich halt mit den Gegebenheiten arrangieren und auch aktiv werden. Wenn dann aber Familie dazukommt, wird es schwieriger, auch dieser gerecht zu werden.

BVTDS: Du warst bisher mehr als 20 Jahre als Trainer in allen Alters- und Leistungsbereichen in Schleswig-Holstein, Hamburg, Österreich und zuletzt für den Deutschen Badminton Verband aktiv. Welche waren deine schönsten Erlebnisse?

DR: Es sind schon unzählige, auch verschiedener Art, die ich nicht missen möchte. Ich konnte viele tolle Menschen kennenlernen und man trifft auf unzählige Experten, mit denen man sich auf höchstem Niveau austauschen kann, das ist schon Klasse. Der ganze Weg in die Weltspitze: Man startet mit der Arbeit als Badmintontrainer und endet damit, Persönlichkeiten zu formen, Expertisen auszubilden. Als Trainer macht es mir immer noch Gänsehaut, wenn die Athleten „aha-Momente“ haben und Dinge funktionieren, die vorher vielleicht nicht so geklappt haben und wenn wir damit neue Leistungsniveaus erreichen. Oder wenn Training und Taktik so zusammenfließen, dass gute Siege herausspringen. Ein sehr besonderes Erlebnis, weil auch nicht so unbedingt erwartet, war die erste European Games-Medaille 2015 von Kira Kattenbeck und Raphael Beck im Mixed, die auf dem Weg zur Medaille im Viertelfinale ein Weltklasse-Mixed geschlagen hatten.

BVTDS: Dein Rat an alle aufstrebenden Trainerinnen und Trainer?

DR: Auf der einen Seite, Vollgas bei der eigenen Trainerentwicklung: Mein Gefühl ist immer mehr, dass viele junge Trainer meinen, „schon alles zu wissen“. Ich glaube, auf der einen Seite war ich auch so, auf der anderen Seite, habe ich dann doch ab und zu „zugehört“ und mir immer Möglichkeiten im In- und Ausland gesucht, neues Wissen anzuhäufen und von den Erfahrungen anderer Experten zu lernen. Dafür habe ich auch einiges an Geld in die Hand genommen, ich denke schon, das gehört als Investition auch dazu, wenn man als Trainer „nach oben“ möchte. Es lohnt sich auch, nicht nur als Trainer, sondern man reift auch als Mensch. Auf der anderen Seite: Breit aufstellen. Gerade in der heutigen Zeit kann man viel flexibler studieren und sich so ein zweites Standbein, vielleicht für später aufbauen, falls man mal unabhängig vom Trainerdasein sein möchte oder auch muss.

BVTDS: Zum Abschluss: Worauf freust du dich in deinem Leben ab August 2021 am meisten?

DR: Zu Hause zu sein. Das heißt bei meinen Kindern, endlich wieder öfter Freunde und Familie sehen, sesshaft zu werden. Aber auch wieder mehr Zeit für eigene Projekte zu finden. Auch im Badminton werde ich sicher ein paar spannende Sachen machen. Ich freu mich auch mal, als Tourist auf ein paar Turniere zu fahren und den Sport als Zuschauer zu genießen, ohne im Kopf nach Lösungen für die nächste Coachingpause zu suchen und das Training zu hinterfragen und neu zu planen.

 

 

VDTT fordert Aufmerksamkeit für selbständige Trainerinnen und Trainer

Der Verband Deutscher Tischtennis-Trainer, Mitglied im BVTDS, hat sich mit einer Pressemitteilung und einem Offenen Brief zur Situation der selbständigen Tischtennis-Trainerinnen und -Trainer an die Öffentlichkeit und die Verbände gewandt. Seit mehr als 13 Monaten der Corona-Pandemie stünde der Tischtennissport – wie andere auch – jenseits des Leistungssportes nahezu still. Mitgliederverlust in den Vereinen, fehlende Einnahmen insbesondere für die selbständigen Trainerinnen und Trainer. Deren Situation werde immer prekärer, Aufmerksamkeit und Unterstützung werden benötigt. Einer Forderung, der wir uns anschließen. Hier finden sich Pressemitteilung und Offener Brief:

VDTT-Pressemitteilung zur Situation selbsttändiger Tischtennistrainer*innen

Offener Brief des VDTT

Frust bei Tischtennistrainer*innen – 14% überlegen, das Handtuch zu werfen

Der Verband Deutscher Tischtennistrainer (VDTT) hat unter seinen rund 1.300 Mitgliedern eine Umfrage durchgeführt. Wesentlicher Inhalt: Wie stellt sich die Situation der Trainerinnen und Trainer nach einem Jahr „Corona“ dar? Rund 450 Mitglieder nahmen an der Umfrage teil, das Resultat: Rund 14% sind so frustriert, dass sie darüber Nachdenken, das Trainer*in-Handtuch zu werfen. „Es ist alarmierend, dass immerhin 14 % der Befragten darüber nachdenken, ihre Trainertätigkeit zu beenden. Hier sollten wir seitens des VDTT, aber auch von Seiten der Tischtennis-Verbände und deren Vereine versuchen zu unterstützen so gut es geht, bevor wir noch mehr Trainer und Übungsleiter verlieren!“, so Wieland Speer, langjähriges Mitglied des VDTT und Organisator der Umfrage. „Geht man von ca. 15.000 Tischtennis-Trainerinnen und Trainern in Deutschland aus, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass die Zahl noch höher ausfallen könnte“, befürchtet Wieland Speer.

Hier geht es zur Gesamt-Meldung: PPM_VDTT_Trainerumfrage

Jegliche Form von Missbrauch ist inakzeptabel! BVTDS unterstützt Idee eines Zentrums für „Safe Sport“

In den vergangenen Wochen und Tagen erschütterten Missbrauchsvorwürfe gegenüber Trainerinnen und Trainern die deutsche Sportwelt. Als Berufsverband haben wir zu wenige konkrete Einblicke, um Einschätzungen zu Einzelfällen und insbesondere zu schwebenden Verfahren vornehmen zu können.

Wir distanzieren uns klar von jeglicher Form der Gewalt und Diskriminierung, ob ausgeübt von Trainer*innen oder anderen Personenkreisen. Jede Art des Missbrauchs von Schutzbefohlenen ist inakzeptabel, verlangt Aufklärung und Konsequenzen für die Ausübenden sowie jede mögliche Unterstützung der Betroffenen. Gleichzeitig lehnen wir aber auch Vorverurteilungen ab und fordern in jedem Fall eine objektive Aufklärung und Berichterstattung.

Wir begrüßen in diesem Kontext die Initiative von Athleten Deutschland e.V., in Deutschland ein unabhängiges Zentrum für „Safe Sport“ zu etablieren. Betroffene, zu denen auch zu Unrecht beschuldigte Trainer*innen gehören können, sollen hier eine vom Sport unabhängige Anlaufstelle finden, der sie vertrauen können, die neutral ist und Hinweisen unvoreingenommen nachgeht.

Wir möchten wir den Blick auch auf die große und überwiegende Mehrzahl der vielen, Trainerinnen und Trainer, Übungsleiterinnen und Übungsleiter im deutschen Sport richten, die mit großer Leidenschaft, positiver Zuwendung und einwandfreiem Verhalten den Sportlerinnen und Sportler als Wegbegleiter*innen zur Seite stehen. Ihnen gilt unsere Wertschätzung und unsere Unterstützung.

 

Tennistrainerinnen und -trainer schließen sich dem BVTDS an

Die Trainerinnen und Trainer der „Gemeinschaft Tennistrainer Deutschland“ (GTD) beabsichtigen, sich dem Berufsverband der Trainerinnen und Trainer im Deutschen Sport e.V. (BVDTS) anzuschließen und die erste Abteilung innerhalb des BVTDS zu bilden. „Die GTD ist eine unabhängige Plattform, die alle Tennis-Trainer*innen begrüßt, egal, ob sie bereits einer Vereinigung angehören oder nicht“, erläutert Joachim Weidenboerner, Initiator der GTD. „Wir haben uns für einen Beitritt zum BVTDS entschieden, weil wir erleben, dass die Unzufriedenheit unter den professionellen Trainerinnen und Trainer mit den deutschen Tennis- sowie Tennistrainer-Verbänden greifbar ist und immer mehr zunimmt. Die vielfach geäußerten auch existenziellen Sorgen wurden bisher überhaupt nicht wahrgenommen“, so Weidenboerner.

GTD-Initiator Joachim Weidenboerner

GTD-Initiator Joachim Weidenboerner

Durch den Beitritt zum BVDTS sollen die Belange der Tennistrainerinnen und -trainer vermehrt Gehör finden. „Mit dem BVTDS haben wir ein wesentlich größeres Gremium als Sprachrohr und Multiplikator, als wenn alle Tennistrainer*innen in kleinen Gruppierungen auftreten“, so Weidenboerner. „Zudem ist der BVDTS eine in sich schon etablierte Organisation, die eine Heimat bietet und zusammen mit allen dort organisierten Trainerinnen und Trainern eine starke Stimme hat. Gerade in diesen Corona-bedingt harten Zeiten für den Sport hat die GTD hier offene Ohren und Hilfen gefunden.“

„Mit dem Verband der Deutschen Tischtennistrainerinnen und Trainer sowie der Deutschen Handball-Trainervereinigung sind bereits zwei Trainer*innen-Verbände bei uns Mitglied. Dass sich uns nun mit dem GTD auch eine Verbindung von Tennistrainerinnen und -trainern anschließen wird, freut uns sehr. Das zeigt, dass unsere Arbeit im Kreis der Berufstrainerinnen und Berufstrainer positiv wahrgenommen wird“, so Holger Hasse und Gert Zender, die Präsidenten des BVTDS.

„Wir verfolgen das Ziel, für unsere Mitglieder durch neue Geschäftsfelder eine höhere Effizienz schaffen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Uns geht es nicht um Ausbildungen, Geldeinnahmen oder sonstige Pfründe, sondern lediglich darum, Tennistrainerinnen und -trainer zu unterstützen und Lösungen für deren Probleme zu finden“, führt Weidenboerner aus. Die Probleme aus Sicht der GTD sind: Nicht ausreichende Definition des Berufsbildes, fehlender Schutz der Berufsbezeichnung und vor Missbrauch durch Nicht-Qualifizierte, die Praxis der Anstellungen in Tennisclubs ohne Vertrag oder hohe Sozialabgaben bei Selbständigen.

Seit geraumer Zeit finden sich immer mehr professionelle Tennistrainer*innen in der GTD zusammen, darunter ein sehr hoher Anteil an A-Trainer*innen des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) und staatlich geprüfte Tennislehrer*innen des Verbandes Deutscher Tennislehrer (VDT). „Wir wollen endlich etwas verändern und dafür Sorge zu tragen, dass unser Berufsstand und sein Berufsbild geschützt und anerkannt wird. Das gilt nicht nur in Corona-Zeiten, sondern ganz besonders für die gesamte Situation der Tennistrainer“, so Weidenboerner.

Umfrage-Auswertung zeigt: 59% der BVTDS-Mitglieder sorgen sich um ihre Zukunft

Parallel zu unserer Umfrage zur „Arbeitssituation von Bundestrainerinnen und Bundestrainern“ haben wir auch eine separate Umfrage unter unseren Mitgliedern zu deren Arbeitssituation vorgenommen. „Insgesamt hat sich knapp die Hälfte unserer Mitglieder an der Umfrage beteiligt, die uns sehr interessante Rückmeldungen und Hinweise auf zukünftige Tätigkeitsschwerpunkte unseres Berufsverbandes liefert“, so BVTDS Präsident Gert Zender. Hier eine Zusammenfassung der Auswertung:

Mitgliederstruktur:

Die Mehrzahl unserer Mitglieder ist männlichen Geschlechts. Nur 22% sind weiblich. Allerdings: Im Vergleich zu der Bundestrainerschaft ist diese Quote deutlich besser. Von den Teilnehmer*innen unserer BT-Umfrage waren nur 15% weiblich, bei der Studie der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) zum Thema „Bundes- und mischfinanzierte Trainer im deutschen Spitzensport – Standortbedingungen und Migrationsanalyse“ im Februar 2017 waren es gar nur 12% aller Bundestrainer*innen.

Fast die Hälfte der teilnehmenden Mitglieder (49%) ist zwischen 51 und 60 Jahre alt, nur 7,5% sind im Alter von 18 bis 35, also in der Startphase der Karriere. 39% befinden sich im Altersbereich von 36 bis 50 Jahren.

Hoch ist das Ausbildungsniveau unserer Mitglieder. 65% verfügen über einen akademischen Hintergrund, 34% haben das Studium zum Diplomtrainer absolviert. Weitere 53% sind Inhaber der A-Lizenz, damit verfügen 87% über eine hohe sportspezifische Ausbildung.

Tätigkeitsfeld:

Mit 43% ist das Gros der BVTDS-Mitglieder ist auf Ebene eines Landesfachverbandes beschäftigt, 27% als Landestrainer*innen, 16% als Landesstützpunkttrainerin oder- trainer. Hinzu kommen Vereinstrainerinnen und -trainer mit einem Anteil von 25%. 13% sind Verbandstrainer*innen. Der Rest ist ein bunter Mix aus freiberuflich Tätigen, Bundestrainerinnen und Bundestrainer, Leistungssportreferenten und weiteren Professionen.

85% unserer Mitglieder sind in Sommersportarten tätig, 82% in olympischen, 3% in paralympischen Sportarten.

Vertragssituation:

90% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer befinden sich in einer Festanstellung, insgesamt 74% in Vollzeitbeschäftigung. Nur vier Teilnehmer*innen sind freiberuflich, weitere vier ehrenamtlich tätig.

Von den angestellt Tätigen befinden sich immerhin 66% in unbefristeten Vertragsverhältnissen, 31% in befristeten. 13% haben bereits mehrfach befristete Verträge unterzeichnet, also die rechtswidrigen Kettenverträge. Interessant sich auch hier Vergleiche zu den Umfragen unter Bundestrainer*innen: Die BVTDS-Umfrage Ende 2020 hatte ergeben, dass sich 34% in unbefristeten Beschäftigungsverhältnissen befinden, laut DSHS-Studie 40%. „Es ist erfreulich, dass sich viele unserer Mitglieder in unbefristeten Vertragsverhältnissen befinden“, so Holger Hasse, neben Gert Zender Präsident des BVTDS. „Wir können über die Gründe nur mutmaßen, gehen aber davon aus, dass dies mit der Struktur der Arbeitgeber zusammenhängt. Die Spitzenverbände, welche die Bundestrainerinnen und Bundestrainer beschäftigen, planen wirtschaftlich zumeist nur über vier Jahre, also je Olympiazyklus, und befristen demnach leider und rechtswidrig häufig. In den Landesverbänden und insbesondere in den Vereinen, in denen man weniger von den Auswirkungen der olympischen Resultate abhängig ist, dürfte längerfristig geplant werden.“

Auswirkungen Corona-Pandemie:

23% der Teilnehmer*innen gaben an, dass sie sich wegen der Einschränkungen und Auswirkungen der Corona-Pandemie in Kurzarbeit befanden bzw. befinden. Ein Wert, der im Vergleich zur BT-Umfrage deutlich höher ist: In dieser Umfrage gaben 4% an, sich in Kurzarbeit zu befinden. „Der Wert von 23% ist unerfreulich. Wir gehen davon aus, dass die Kurzarbeit zumeist Kolleginnen und Kollegen in den Vereinen betrifft. Angestellte von Verbänden, egal ob auf Bundes- oder Landesebene, sollte es eigentlich nicht betreffen. Hier schließen die Zuwendungsbestimmungen der öffentlichen Geldgeber Kurzarbeit aus gutem Grund zumeist aus“ so Gert Zender.

Von den selbständig tätigen Mitgliedern hatten drei Personen Sofort- und Überbrückungshilfe beantragt und diese erhalten, zwei hatten beantragt, aber keine finanzielle Unterstützung erhalten.

Zukunft:

Auf die Zukunft ihres Arbeitsplatzes blicken 41% der Teilnehmer*innen sorgenfrei, 59% machen sich durchaus Sorgen um die Zukunft. Diese Sorgen sind begründet in:

  • der wirtschaftlichen Situation des Arbeitgebers (37%)
  • der Corona-Krise (26%)
  • dem Nicht-Erreichen der sportlichen Ziele (17%)
  • der Befristung des Arbeitsvertrages (11%)
  • sonstigen Gründen (13%).

Als sonstige Gründe wurde mehrheitlich der fehlende Nachwuchs genannt.

Rückschlüsse:

„Viele unserer Mitglieder sind auf Landes- und Vereinsebene beschäftigt. Wenngleich das föderale Sportsystem und die Autonomie des Sportes einheitliche Standards erschweren, werden wir uns dafür einsetzen, ähnliche Rahmenbedingungen zu entwickeln und zur Umsetzung zu bringen, wie sie im Trainer*in-Konzept des DOSB verfasst und von den Spitzenverbänden beschlossen wurden“, so Holger Hasse. „Auch wenn das DOSB-Konzept zunächst für die Bundesebene beschlossen wurde, sind die Inhalte auch auf die Landes- und Vereinsebene übertragbar. Außerdem freuen wir uns über die vergleichsweise hohe Anzahl an weiblichen Mitgliedern in unserem Berufsverband. Gleichstellung ist und bleibt eines unserer Hauptanliegen.“

 

Zahlen & Fakten der Umfrage im Überblick:

Merkmal Anteil
Weibliche Mitglieder 22%
Altersbereich 18-35 Jahre 7,5%
Altersbereich 36-50 Jahre 39%
Altersbereich 51-60 Jahre 49%
Beschäftigung als Landes-/Landesstützpunkttrainer*in 43%
Beschäftigung als Vereinstrainer*in 23%
Beschäftigung als Verbandstrainer*in 13%
Tätig in Wintersportart 10%
Angestellt in Vollzeit 74%
Angestellt in Teilzeit 14%
Freiberuflich tätig 6%
In unbefristetem Anstellungsverhältnis 66%
In erstmaliger Befristung für 2 Jahre 11%
In erstmaZliger Befristung für 4 Jahre 6%
In mehrfacher Befristung (Kettenvertrag) 13%
Diplom-Trainer*in als höchste DOSB-Lizenz 34%
A-Trainer*in als höchste DOSB-Lizenz 53%
B-Trainer*in als höchste DOSB-Lizenz 11%
Während Corona-Krise in Kurzarbeit 23%
In Sorge um den Arbeitsplatz 41%

 

 

 

Vor Olympia in Tokio: Knapp 30% der Bundestrainerinnen und Bundestrainer mit Ein-Jahres-Verträgen ausgestattet

Nach vielen Jahren der wissenschaftlichen und (sport-) politischen Auseinandersetzung über die Situation von Berufstrainerinnen und -trainern in Deutschland gab es im Dezember 2019 einen Meilenstein zu vermelden: Die Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hatte das Konzept zur „Verbesserung der arbeitsvertraglichen Rahmenbedingungen für Trainer*innen“ beschlossen. Die zentralen Elemente, für deren Umsetzung der Berufsverband der Trainerinnen und Trainer im Deutschen Sport e.V. (BVTDS) seit 2012 eintritt und die er durch seine beiden Präsidenten Holger Hasse und Gert Zender auch in der für die Konzepterstellung zuständigen Arbeitsgruppe des DOSB vertrat, waren unter anderem:

  1. Bekenntnis zur Absage an die Praxis der rechtswidrigen Kettenverträge
  2. Aufstellung von Regeln zu Arbeitsschutz und Arbeitszeit
  3. Festgelegte Lohnuntergrenzen auf Grundlage einer Vergütungstabelle

Rund ein Jahr nach dem Beschluss und nach einem turbulenten Sportjahr führte der BVTDS eine Umfrage unter Bundestrainerinnen und Bundestrainern durch. Zentrale Fragestellung: Wie steht es um die Umsetzung des Konzeptes? Das Resultat: Ernüchternd. Denn im Vergleich zu den Ergebnissen der Studie der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) zum Thema „Bundes- und mischfinanzierte Trainer im deutschen Spitzensport – Standortbedingungen und Migrationsanalyse“ aus Februar 2017* haben sich bis heute kaum positive Entwicklungen ergeben.

Im Gegenteil: Die Ergebnisse decken sich. In den drei Kernfeldern Vertragsbefristungen, Arbeitszeit und Vergütung haben sich in den vergangenen vier Jahren, also auch seit Dezember 2019, keine gravierenden Verbesserungen eingestellt. Der BVTDS fordert, dass das DOSB-Trainer*in-Konzept nachhaltig umgesetzt wird und mehr wird als ein weiteres Lippenbekenntnis.

Zu den Resultaten der BVTDS-Umfrage: Nur 34% der teilnehmenden 180 Bundestrainer*innen befinden sich in einem unbefristeten Anstellungsverhältnis, für zwei Drittel greifen befristete Verträge. Für 25% der Bundestrainer*innen gilt gar, dass deren Arbeitsverträge bereits mehrfach befristet verlängert wurden, sie sich also in „Kettenarbeitsverträgen“ befinden. „Wir werden nicht müde, diese leider nach wie vor gängige, aber arbeitsrechtlich unzulässige Praxis zu kritisieren“, so BVTDS-Präsident Holger Hasse.

Besonders kritikwürdig: Die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio in das Jahr 2021 hat für 28% der teilnehmenden Bundestrainer*innen zu einer Verlängerung des Arbeitspapieres um lediglich ein weiteres Jahr von Ende 2020 bis Ende 2021 geführt. „Das ist beschämend“, urteilt Gert Zender, neben Hasse Präsident des BVTDS und zudem Jurist. „Einerseits verlangen die Verbände als Arbeitgeber Höchstleistung von ihrem Personal, andererseits verwehren sie Gewissheit und Perspektive. Die Begründung der Verbände, die Befristung abhängig vom olympischen Erfolg und von der Haushaltslage zu machen, ist zwar nachvollziehbar, macht dieses Vorgehen aber nicht rechtmäßig. Bedenkt man, dass diesem unrechtmäßigen Handeln staatliche Zuwendungen zu Grunde liegen, ist es noch weniger zu akzeptieren. Zumal vor dem Hintergrund, dass die DOSB-Mitglieder – darunter die Spitzenverbände – 2019 einstimmig das Konzept angenommen haben, welches dieser Praxis entsagt.“

Nachholbedarf gibt es auch im Bereich Arbeitsschutz und Arbeitszeit. Nur 12% der Teilnehmenden gab an, dass sie die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit durch eine geschickte Einsatzplanung in der Regel einhalten. 18% überschreiten die Arbeitszeit in der Regel um über 10%, gar 32% um über 25%. „Das ist wenig überraschend“, so Hasse. „Einerseits ein Resultat der viel zu umfangreichen Tätigkeitsfeldern von Trainerinnen und Trainern sowie andererseits mangelhafter Einsatzplanungen. Es bedarf langfristiger Einsatzplanungen an deren Ende ein Saldenausgleich stehen muss. Die Planung, aber auch der Abgleich zwischen Soll- und Ist-Arbeitszeiten geschehen leider viel zu selten.“

Was ebenfalls nicht erfolgt: Eine Ausgleichsleistung für die Mehrarbeit. 64% der Bundestrainer*innen erhalten keinerlei Ausgleich für zusätzlich geleisteten Arbeitsaufwand. „Auch dieses Resultat war leider zu erwarten, widerspricht aber gänzlich den Zielsetzungen des DOSB-Konzeptes“, so Zender. „In diesem wird ausdrücklich ein fairer Umgang mit Mehrarbeit gefordert.“

Schwieriger zu beurteilen ist die Umsetzung der im Konzept vereinbarten Einhaltung der Lohnuntergrenze. Im Schnitt erhalten Bundestrainerinnen und Bundestrainer eine Jahresvergütung von ca. 47.000 Euro brutto. Bei dieser Summe sind Faktoren wie Tätigkeit, Verantwortungsumfang, Qualifikation, Berufserfahrung oder vertraglich vereinbarte Wochenstunden allerdings nicht berücksichtigt. Fakt aber ist, dass in den seltensten Fällen – nur bei 23 % – eine öffentlich zugängliche Vergütungstabelle die Grundlage für die Vergütung liefert. „Bei der Ausarbeitung des Trainer*in-Konzeptes hatten wir uns intensiv mit den Grundlagen für eine angemessene Vergütung auseinandergesetzt und eine Vergütungstabelle mit Lohnuntergrenzen erarbeitet, die – ähnlich wie Vergütungstabellen im öffentlichen Dienst – einen Dreiklang aus Tätigkeit, Qualifikation und Berufserfahrung berücksichtigt. Es ist leider so, dass diese Vergütungstabelle entweder nicht bekannt ist oder aber keine Berücksichtigung findet“, so Holger Hasse.

Das Fazit der BVTDS-Präsidenten: „Rund 800 Trainerinnen und Trainer werden mit Mitteln des Bundes finanziert. Wir fordern wiederholt, dass auch der Bund als Zuwendungsgeber die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften zur Bedingung macht, diese kontrolliert sowie Zahlungen davon abhängig macht. Es ist auch eine Frage der Gleichbehandlung denjenigen Verbänden gegenüber, die sich an Recht und Gesetz halten. Wir werden uns nun unter anderem an das Bundesministerium des Inneren, den DOSB und die Mitglieder der Arbeitsgruppe wenden, um über unsere Umfrageergebnisse zu informieren und eine Umsetzung der Maßnahmen des Trainer*in-Konzeptes zu fordern.“

Zahlen & Fakten der Umfrage (zum Vergleich: Resultate der DSHS-Studie):

Merkmal BVTDS DSHS
Anzahl Teilnehmende 180 210
Anteil weiblicher Trainerinnen 15% 18%
Jahres-Bruttogehalt (Arbeitnehmer) im Durchschnitt 47.000,00 Euro 47.800,00 Euro
Anteil der unbefristeten Arbeitsverträge 34% 40%
Wöchentliche Mehrarbeit min. 10 Stunden 13 Stunden
Ausgleich für Mehrarbeit erhalten: 20%
Befristung um ein oder zwei Jahre wegen Olympia-Verschiebung 28%

Ergebnisse_BT_Umfrage_2020

Stark: „Zu Beginn geht es im Trainer-Job ums Überleben vor der Gruppe“

Zum 01.01.2021 erhält der Berufsverband der Trainerinnen und Trainer im Deutschen Sport e.V. (BVTDS) hauptberufliche Unterstützung. Daniel Stark fungiert im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung als Projektleiter und soll dazu beitragen, das Engagement für die Belange der Berufstrainerinnen und -trainer in Öffentlichkeit und Sportpolitik weiter zu intensivieren. Hier berichtet der 33-jährige Badminton-A-Trainer von seiner Sicht auf das „Trainerleben“.

BVTDS: In deiner Hauptbeschäftigung bist du beim Badminton-Landesverband (BLV-NRW) tätig. Holger Hasse, neben Gert Zender BVTDS-Präsident und hauptberuflich Geschäftsführer des BLV-NRW, ist auch dein zweifacher Vorgesetzter.

Stark: Korrekt. Ich bin seit 2018 als Fachkraft für Kinder- und Jugendarbeit beim BLV-NRW tätig und werde zudem seit 2019 als Wochenendbetreuer am Yonex-Badminton Internat in Mülheim an der Ruhr eingesetzt.

Daniel Stark

Daniel Stark

BVTDS: Welche Aufgaben hast du als Fachkraft für Kinder- und Jugendarbeit inne?

Stark: Früher nannte man meine Position „Jugendbildungsreferent“. Das spiegelt meiner Meinung nach auch den Kern meiner Tätigkeit wider: Jugendbildungsarbeit auf allen Ebenen des Badminton-Landesverbandes. Ich versuche, Multiplikatoren für die für die Vereinswelt so wichtige Kinder- und Jugendarbeit zu begeistern und auszubilden. Dabei sind die jährlichen Trainerassistent*innen-, C-Trainer*innen und B-Trainer*innen-Ausbildungen mein Kerngeschäft. Zudem organisiere ich Freizeitangebote und Kulturangebote für Jugendliche. Mein neuestes Projekt: Badminton und Kirche.

BVTDS: Das passt hervorragend zu unserem Trainerverband. Was vermittelst du den Teilnehmerinnen und Teilnehmern als wesentliche Kompetenzen für Trainerinnen und Trainer?

Stark: Ich halte es für wichtig, Leidenschaft auszustrahlen. Es ist entscheidend, Menschen für Sport zu begeistern. Gerade Kinder entscheiden zunächst primär nach der Persönlichkeit. Natürlich ist das Trainer-Handwerk nicht egal, aber zu Beginn ist es aus meiner Sicht weniger bedeutend, Inhalte zu vermitteln, sondern Kinder für sich und den Sport zu gewinnen. Insofern lege ich in der Ausbildung von Trainer*innen auch sehr viel Wert darauf, soziale Kompetenzen zu thematisieren.

BVTDS: An welche Kompetenzen denkst du da in erster Linie?

Stark: Das Trainer-Dasein ist aus meiner Sicht sehr vielseitig. Es ist ein Job, der einen auf vielen Ebenen fordert. Schnell befasst man sich in den Trainerausbildungen mit den Lehrinhalten. Was soll ich meinen Athlet*innen wann und wie vermitteln? Aber Inhalt braucht einen Rahmen, damit er seinen Weg zu Athlet*innen finden kann. Am Anfang muss man als Trainer*in lernen, diesen Rahmen zu gestalten. Dabei geht es um grundlegende Kompetenzen: Das Sprechen vor Gruppen, Moderation von Übungen, das Führen von Gruppen und Einzelpersonen. Als ich anfing, Trainer zu sein, dachte ich, es sei einfach. Aber nein, zunächst geht es weniger um Inhalte als darum, vor der eigenen Trainingsgruppe zu ‚überleben‘, zu schauen, dass Übungen verstanden werden, alle in der Spur bleiben und dass das Training rund läuft. Das fängt damit an, für Ruhe und Pünktlichkeit zu sorgen und hört bei Konfliktgesprächen mit den Eltern auf. Es ist also ein echter Weg hin zu einer stabilen Trainerpersönlichkeit. Insofern schätze ich diese Kompetenzen als essenziell ein und sehe sie als wichtige Inhalte in der Ausbildung, die in der Praxis für Qualität sorgen.

BVTDS: Du erwähnst die Vielseitigkeit des Berufsbildes. Wie hast du selbst diese Vielseitigkeit erlebt?

Stark: Die eigentliche Hauptverantwortung sollte im tatsächlichen Training, in der Trainingsplanung und Begleitung der Athletinnen und Athleten liegen. Aber ich habe selbst erlebt, dass der Trainer im Verein oft der treibende Motor auf vielen Ebenen ist. Hier geht es um Reise- und Wettkampfplanung, Organisation von Freizeitaktivitäten oder Festen, politisches Engagement im Verein oder Verband, verantwortungsvolles Finanzmanagement. Vom Kuchenbacken für das Heimturnier bis zum Anwerben von Sponsoren. Langweile ist selten.

BVTDS: Klingt nicht nach deinem Traumjob.

Stark: Ich liebe es, Trainer zu sein. Aber es ist auch ein Job, der dir schnell alle Ressourcen nehmen kann, wenn man nicht aufpasst. Ein Job, der ein großartiges Lernfeld bietet, aber die Gefahr birgt, dass es zu viel wird. Arbeiten am Limit, zum Teil gepaart mit schlechter Bezahlung sind zwei dunkle Seiten des Berufs, die sich häufig genug auf die gesamte Qualität niederschlagen. Ich halte es für wichtig, auch aus Verantwortung den Sportlern gegenüber, dafür Sorge zu tragen, sich nicht ausnehmen zu lassen. Denn wer möchte schon, dass sein Kind von einem völlig übermüdeten und überarbeiteten Trainer nach einem Wettkampf-Wochenende in Polen auch noch nach Hause gefahren wird.

BVTDS: Empfindest du das als institutionelle oder individuelle Verantwortung.

Stark: Beides. Natürlich haben Auftraggeber und Arbeitgeber einen qualitativ hochwertigen Rahmen zu schaffen. Ich glaube, dass es ein Umdenken vieler Umfelder hin zu mehr Qualität geben muss. Aber es geht auch um das Selbstverständnis jeder einzelnen Trainerin und jedes einzelnen Trainers, der hier auch Grenzen setzen muss.

BVTDS: Wie steht es um deine eigene Trainerkarriere?

Stark: Ich bin schon im Alter von 14 Jahren in den Trainerjob gerutscht. Damals war „Not am Mann“ und mein damaliger Heimverein, der Badminton-Club Marsberg im Sauerland, brauchte dringend einen Kinder- und Jugendtrainer. Schnell entdeckte ich dabei eine ganz große Leidenschaft für das Trainer-Sein, die bis heute anhält. Während meines Studiums war ich als Profi-Trainer tätig und habe mich insbesondere für den TV Refrath und im BLV-NRW im Nachwuchs-Leistungssport engagiert.

BVTDS: Was hat dich damals dazu bewegt, deine Trainer-Laufbahn zu forcieren?

Stark: Mich hat vor allem immer die Frage nach dem „Wie?“ motiviert. Wie lernt man am besten? Wie lehrt man am besten? Wie wird man ein erfolgreicher Badmintonspieler? Deshalb liebe ich diesen Moment, wenn es bei einem Spieler im Kopf „klick“ macht. Ich liebe es, Menschen zu bewegen und Prozesse anzustoßen. Zudem hat mich der Sport mit so vielen Menschen in Kontakt gebracht, so dass inzwischen ein sehr großes Netzwerk entstanden ist, das mir auch sehr viel zurückgibt.

BVTDS: Werfen wir noch einen Blick auf den Berufsverband. Welche sind deine ersten Aufgaben?

Stark: Meine erste Aufgabe bestand in der Erstellung einer Umfrage unter Mitgliedern und Bundestrainerinnen und -trainern zu deren beruflicher Situation. Die Umfrage läuft noch einige Tage, die Ergebnisse werden Anfang 2021 präsentiert. Außerdem werde ich organisatorische und administrative Aufgaben übernehmen.

BVTDS: Welche weiteren Ziele und Vorhaben verfolgst du?

Stark: Zunächst die Gewinnung weiterer Mitglieder. Wir brauchen eine breite Basis. Ich möchte dazu beitragen, dass die Arbeit des Verbandes in den Ausbildungen thematisiert wird und für diese sensibilisiert wird. Das liegt mir in den kommenden Wochen am Herzen.

BVTDS engagiert Daniel Stark als Projektleiter

Das Präsidium des BVTDS erhält hauptberufliche Unterstützung. Mit Daniel Stark beschäftigt der Berufsverband der Trainerinnen und Trainer im Deutschen Sport e.V. seit dem 01.11.2020 einen „Projektleiter“ im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung. „Mittelfristig streben wir eine Förderung aus öffentlichen Mitteln und damit eine umfängliche Hauptberuflichkeit an. Nur so können die Belange der Trainerinnen und Trainer ebenso ihre Berücksichtigung im deutschen Sport finden wie die der Athletinnen und Athleten“, fordert BVTDS-Präsident Holger Hasse. Doch die Bretter, die es zu bohren gilt, sind dick. Fürs Erste hat der Berufsverband eine interne Lösung gefunden: „Unser für Finanzen zuständige Vizepräsident Olaf Leib hat in den vergangenen Jahren sehr gut gewirtschaftet. Wir können uns diese Beschäftigung zunächst aus Eigenmitteln leisten“, erläutert Gert Zender, neben Hasse Präsident des Berufsverbandes.

Daniel Stark

Daniel Stark

Mit Daniel Stark hat der BVTDS einen Vollbluttrainer für sich gewonnen. Der 33-Jährige ist A-Trainer Badminton und war über zehn Jahre als Profi-Trainer im Nachwuchsleistungssport tätig. Aktuell ist Stark als Fachkraft für Kinder- und Jugendarbeit beim Badminton-Landesverband Nordrhein-Westfalen insbesondere für die Trainer*in-Ausbildung verantwortlich und betreibt zudem eine eigene Praxis als Heilpraktiker. „Mit Daniel Stark haben wir einen sehr zuverlässigen und kompetenten Projektleiter finden können“, so Zender. „Wir sind davon überzeugt, dass wir mit ihm unsere Arbeit ausweiten und weiter aufwerten werden.“

Eine seiner ersten Aufgaben war die Erstellung einer umfangreichen Umfrage unter Bundestrainerinnen und Trainern sowie BVTDS-Mitgliedern, die derzeit erfolgt und Rückschlüsse über die aktuellen arbeitsvertraglichen Gegebenheiten der Berufstrainerinnen und -trainer geben soll. „Vor gut einem Jahr hat die DOSB-Mitgliederversammlung das Konzept zur Verbesserung der arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen beschlossen. Wir möchten wissen, wie der Stand der Umsetzung ist und werden sicher den Finger in die Wunde legen, wenn es weiterhin Missstände zu verzeichnen gibt“, so Hasse.