In der AG Musterverträge herrscht Konsens über Entfristung von Verträgen

Auch nach dem dritten Treffen der „AG Musterverträge“ mit Vertretern von BMI, DOSB, aus den Olympiastützpunkten und den Spitzenverbänden ist BVTDS-Vize Holger Hasse voller Zuversicht. „Ich nehme nach wie vor eine sehr gute und produktive Arbeit der Arbeitsgemeinschaft wahr. Der entscheidende Punkt ist nun, Verbindlichkeit herzustellen“, so Hasse. „Ein Schlüssel zum Erfolg wird die Anpassung der Förderrichtlinien durch die öffentlichen Zuwendungsgeber. Auf Bundesebene sehe ich das BMI bzw. das BVA in der Pflicht. Es muss geprüft werden, ob die Arbeitsverträge auf der Grundlage von Recht und Gesetz abgeschlossen und gelebt werden. Wir sehen hier aber auch den DOSB in der Verantwortung. Dieser hat die Möglichkeit, die Trainersituation im Rahmen seines sportfachlichen Gutachtens zu bewerten und damit entscheidenden Einfluss auf die Förderung der Verbände zu nehmen. Gleiches gilt dann analog dazu für die Länderebene“, ergänzt der ehemalige Chef-Bundestrainer Badminton.

Als großen Erfolg der Arbeit des BVTDS sieht Hasse den erzielten Konsens in Sachen Ketten­verträgen. „Wir sind uns einig, dass Anstellungsverträge von Trainerinnen und Trainern zu Vertrags­beginn einmalig bis zu zwei Jahre befristet werden können. Im Anschluss muss aber im Regelfall eine Entfristung erfolgen!“ Große Herausforderungen stehen der AG beim Thema „Arbeitszeit und Arbeitsschutz“ bevor. „Hier wollen wir zusätzliche Expertise einholen und uns extern beraten las­sen. Die Verbände als Arbeitgeber müssen in die Lage versetzt werden, die Gesetze einzuhalten, aber dennoch Weltspitzenleistungen der Athletinnen und Athleten zu ermöglichen.“

Hallmanns Traumjob hat ein Manko: Fehlende gesellschaftliche Anerkennung

Foto HallmannOb er den Beruf ewig ausüben wird? Schwer zu beantworten für einen erst 34 Jahre jungen Mann. Im Moment jedenfalls kann sich Christopher Hallmann nichts Besseres vorstellen. „Ich übe derzeit meinen Traumjob aus“, sagt der Stützpunkttrainer des Deutschen Leichtathletik Verbandes (DLV). „Ob ich das aber bis zum Renteneintritt machen möchte, kann ich nicht sagen. Der Beruf zehrt an den Kräften, ist sehr emotional. Aber ganz bestimmt werde ich dem Sport treu bleiben.“ Bestenfalls dem Zehnkampf, seinem Steckenpferd. Der gebürtige Essener galt selber als großes Talent, über­schritt schon im jungen Zehnkämpfer-Alter von 21 Jahren die magische Marke von 8.000 Punkten – bei den Deutschen Meisterschaften, was ihm zugleich den DM-Titel 2004 bescherte. „Das war der Schritt in Richtung Weltklasse“, erinnert sich Christopher Hallmann, der seit 2012 Mitglied des Be­rufsverbandes der Trainerinnen und Trainer in Deutschland ist. „Pro Saison gelingt es 20 bis 25 Athleten, die 8.000er-Marke zu knacken. Bedenkt man zudem, dass das Höchstleistungsalter bei Zehnkämpfern in der Regel erst mit Ende 20 erreicht wird, war das schon so etwas wie ein Ritter­schlag für mich.“

Eine große Karriere schien möglich – erfüllte sich aufgrund vieler langwieriger Verletzungen aber nicht. „Ich habe die 8.000 Punkte nie wieder erreicht und früh meine Karriere beendet.“ Aber dass er im Sport tätig sein wollte, möglicherweise auch als Trainer, das war Christopher Hallmann schon damals klar. „Ich hatte schon Bock darauf, klar. Aber ich war nicht darauf versteift. Es hat sich eher so ergeben.“ Bis 2007 studierte er Sportwissenschaften in Bochum, 2007 wechselte er nach Ham­burg. „Ich hatte als Sportler noch einmal einen Umfeldwechsel angestrebt und wollte versuchen, in einem neuen Umfeld, mit einem neuen Trainer noch einmal anzugreifen. Aber es hat nicht mehr ge­klappt.“

Stattdessen nahm – wie erwähnt eher etwas zufällig – die Trainerkarriere Fahrt auf. „Ich begann 2010 als Athletiktrainer im Hockey zu arbeiten, das in Hamburg eine starke Position hat. Auf Initiative des damaligen Damen-Bundestrainers Michael Behrmann habe ich ab 2011 als Athletik­trainer der Nationalmannschaft gearbeitet und sie größtenteils auf die Olympischen Spiele 2012 in London vor­bereitet. Das war eine tolle Zeit – das Ziel aber war immer eine hauptamtliche Tätigkeit in der Leicht­athletik.“

Die im Jahr 2013 folgte. Mit 29 Jahren wechselte Hallmann aus dem Norden in Richtung Süden und wurde Landestrainer Mehrkampf in Baden-Württemberg mit Dienstort Ulm. „Das habe ich vier Jahre gemacht, bis ich 2017 eine Anstellung beim DLV als Trainer am Mehrkampf-Stützpunkt bekommen habe.“ Sieben Athleten sind Teil seiner Trainingsgruppe, mit Mathias Brugger hat er gar den Bronzemedaillengewinner der Hallen-WM 2016 sowie mit Arthur Abele einen Olympia­teilnehmer von Rio 2016 in seinen Reihen. „Sicher bin ich stolz auf die Leistungssteigerungen meiner bei­den Top-Zehnkämpfer“, so Hallmann. „Aber als noch größer empfinde ich die Herausforderung, die jüngeren Athleten meiner Gruppe langfristig zu begleiten und in die Weltspitze zu führen.“ Das braucht Zeit – und die möchte Christopher Hallmann seinen Jungs und sich geben.

„Mich reizt es, aus meinen Sportlern Spitzenleistungen herauszukitzeln und deren Entwicklung zu for­cieren. Jeder Athlet schreibt seine eigene Geschichte mit Höhen und Tiefen. Diese zu begleiten, er­füllt mich“, beschreibt Hallmann die Faszination, die der Trainerberuf für ihn ausmacht. Für Frust sorgt bei ihm dagegen die Tatsache, dass die vielfältigen Facetten des Trainerberufes der Allgemeinheit kaum bekannt sind – und der Job damit gesell­schaftlich nicht angemessen anerkannt ist. „Ich habe es selber erlebt, dass Bekannte mir auf meine Aus­sage „Ich muss jetzt noch ins Büro“ geantwortet haben „Wie, ins Büro? Du bist doch Trainer?“ Wie viel Arbeit im Umgang mit den Menschen und in der Organisation dahintersteht, das ist den Leuten gar nicht bekannt. Ich wünsche mir, dass der Berufsverband weiter dafür arbeitet, dass hier das Be­wusstsein und das Wissen in der Gesellschaft steigt.“

Dass der Trainerberuf darüber hinaus die eine oder andere strukturelle Herausforderung mit sich bringt, möchte Christopher Hallmann trotz all seiner Leidenschaft auch nicht verhehlen. „Die zeit­liche Belastung ist hart. Es gibt Phasen, in denen sind 60 Stunden Wochenarbeitszeit keine Selten­heit. Ich ver­suche aber bewusst, mir auch ruhigere Phasen zu gönnen. Ein großes Glück für Hallmann ist seine aktuelle private Lebens­situation. „Meine Freundin ist ehemalige Leichtathletin. Sie bringt also Interesse für meinen Beruf und Verständnis für die Notwendigkeiten mit. Passend ist auch, dass sie von daheim aus arbeitet und auch ich mein Büro in unserer Wohnung habe. Somit sehen wir uns regelmäßig. Das kommt uns natürlich ge­legen.“

Sein aktuelles Arbeitspapier ist bis Ende 2020 datiert. Befristet. Dass die Befristung von Arbeitsverträgen ganz praktische Nachteile haben kann, weiß Hallmann aus eigener Erfahrung. „Als wir 2016 eine neue Wohnung beziehen wollten, hatte mein Vertrag noch eine Gültigkeit von einem halben Jahr. Ich musste dem Vermieter ausführlich erklären, warum ich nur einen befristeten Vertrag habe. Und ich kenne auch einen Kollegen, der aufgrund seiner Vertragsbefristung keinen Kredit bekommen hat. Selbst­verständlich ist so etwas ärgerlich.“

Dennoch: Zweifel an seiner Berufswahl hat Christopher Hallmann keine. „Ich weiß, dass ich auf den Rückhalt meines Verbandes zählen kann. Er bietet mir die Chance, meine Trainerkompetenzen weiterzuentwickeln und die Möglichkeit, zusätzliche Verantwortung zu übernehmen.“ Also doch „Trainer für immer“?

„(Alp)Traumberuf Schwimmtrainer: Die Zeitarbeiter am Beckenrand“

Ausführlich beleuchtet Sebastian Schwenke unter dem Titel „(Alp)Traumberuf Schwimmtrainer: Die Zeitarbeiter am Beckenrand“ auf swimsportnews.de die Situation der (hauptberuf­lichen) Schwimmtrainer/innen in Deutschland. Die Resultate seiner Befragungen sind für Insider wenig überraschend: Im Vergleich mit der internationalen Konkurrenz gibt es auch im Schwimm­sport zu wenige hauptamtliche Trainerinnen und Trainer, die Vergütung ist in Abhängigkeit vom Ar­beitgeber und insbesondere in Relation zum Aufwand nicht auskömmlich, die Verträge sind häufig befristet und die Anerkennung für die Leistung der Trainerkollegen gering.

Hier geht’s zum Artikel:
https://swimsportnews.de/8144-alp-traumberuf-schwimmtrainer-die-zeitarbeiter-am-beckenrand-teil-1

Dafni Bouzikou ließ auf WDR 5 von sich hören

Eine besondere Gelegenheit, sich zur Situation der Trainerinnen und Trainer in Deutschland zu positionieren, erhielt die BVTDS-Vorsitzende Dafni Bouzikou. Vom Westdeutschen Rundfunk wurde sie eingeladen, für die WDR 5-Radiosendung „Sportecho“ ihre Sicht über die Missstände der Trainersituation im deutschen Sport darzulegen. Gefragt wurde u.a., warum das Berufsbild des Trainers und der Trainerinnen in Deutschland so einen schlechten Stellenwert habe. Aber auch ein Blick in die Zukunft wurde gewagt. Wie optimistisch sie sei, dass sich die Situation ändern werde, wurde sie gefragt. „Nicht sehr optimistisch“, lautete die Antwort. Zu lang sei der Bart der gebetsmühlenartig wiederholten Unmutsbekundungen und Änderungsforderungen. Den gesamten Mitschnitt des Interviews gibt es untenstehend zu hören.

BVTDS-Forderungen stehen auf der Agenda der „AG Musterverträge“ ganz oben

Gleiche Runde, gleiches Fazit: In der AG Musterverträge geht es voran. Bereits nach dem ersten Treffen der vom DOSB initiierten Experten-Runde, die sich über die Verbesserung von vertraglichen Rahmenbedingungen für Trainerinnen und Trainer verständigen soll, zog Holger Hasse, als BVTDS-Vize Teilnehmer des Arbeitskreises, ein positives Resümee. Und auch das zweite Treffen lief aus Sicht des ehemaligen Chef-Bundestrainers Badminton positiv: „Die AG arbeitet sehr rege und aktiv. Alle Forderungen des Berufsverbandes der Trainerinnen und Trainer im Deutschen Sport stehen als Leitlinien auf der Agenda der Arbeitsgruppe. Der nächste Schritt muss sein, Verbindlichkeit herzustellen.“

Konkret hat sich die Expertenrunde auf rund 10 Arbeitspakete verständigt, die sie innerhalb des kommenden Jahres bearbeiten will. „Ganz oben auf der Agenda stehen die Forderungen nach unbefristeten Verträgen, einer fairen Vergütung sowie der Umsetzung des Arbeitszeit- und Arbeitsschutzgesetzes für Trainerinnen und Trainer im Leistungssport. Auch wenn es nicht einfach wird, sich auf konkrete Schritte zu verständigen, bin ich guter Dinge, weil wir in der Arbeitsgruppe ein gemeinsames Verständnis davon haben, dass Veränderungen notwendig sind. In diesem Zusammenhang habe ich immer wieder darauf verwiesen, dass Bund und Länder als Zuwendungsgeber eine besondere Verantwortung für die Verwendung von Steuermitteln für Trainerstellen haben. Dass mit Steuermitteln prekäre Beschäftigungsverhältnisse und zeitliche Ausbeutung von Trainerinnen und Trainern finanziert werden, und so gegen Gesetze verstoßen wird, darf nicht länger geduldet werden“, so Hasse.

Positive Signale kamen auch z.B. von Karin Grüber, der Vertreterin der Länder vom Bildungs-Ministerium Mecklenburg-Vorpommern. „Auch die Länder haben den großen Handlungsbedarf erkannt“, berichtet Holger Hasse. Der darüber hinaus darauf verweist, dass sich die AG auch über ein Tarifmodell ausgetauscht hat. „Daniel Striegel, Leiter des Olympiastützpunktes Rhein-Neckar, hat deutlich gemacht, dass eine Vergütung, die nur an der Funktion und dem Titel ausgerichtet ist, nicht modern und nicht immer angemessen ist. Vielmehr sollten Merkmale wie Führungsverantwortung und die Arbeitsplatzbeschreibung mehr mit in die Vergütungsmodelle einbezogen werden“, findet auch Hasse.

BVTDS kooperiert mit www.trainersuchportal.de

trainersuchportal ist das erste und derzeit einzige bundesweite Internetportal, welches es zum Ziel hat, Sportler und Trainer/innen bzw. Übungsleiter/innen zusammenzuführen und damit zur Lösung bei der Besetzung von offenen Stellen im Sport, besonders im Amateur- und Breitensportbereich, aber auch bis hin zum Leistungssport, beizutragen. Seit dem Onlinegang am 06.12.2013 können Trainer/innen einerseits, Vereine und Verbände andererseits Stellengesuche und Stellenanzeigen einstellen und sich präsentieren. Rund 100 Verbände kooperieren bereits mit trainersuchportal – nun auch der BVTDS.

Im Rahmen der Kooperation können alle BVTDS-Mitglieder das trainersuchportal kostenfrei und dauerhaft nutzen, um sich und ihre Fähigkeiten ein- und vorzustellen. Ein attraktives persönliches Trainerprofil macht‘s möglich! So können Vereine auch aktiv Profile durchsuchen und den passen-den Trainer/Übungsleiter noch schneller finden.



Landessportbünde fordern zusätzliche Mittel für Trainerinnen und Trainer

Das Bewusstsein für die unhaltbare Situation von Trainerinnen und Trainern im Sport scheint zu wachsen: Die Konferenz der Landessportbünde (unter derzeitigem Vorsitz des LSB Sachsen-Anhalt) hat sich in ihrer Sitzung am 20.10.2017 in Bremen eingehend mit dem Stand der Leistungssportreform beschäftigt und die Umsetzung neun zentraler Punkte gefordert. Darunter aus Sicht der Trainerinnen und Trainer erfreulicherweise auch eine Erhöhung der öffentlichen Fördermittel für den Leistungssport, „um insbesondere die unhaltbare Beschäftigungssituation zahlreicher Trainer/innen im Leistungssport zu beenden.“ Außerdem messen die Landessportbünde der „Professionalisierung des hauptberuflichen Leistungssportpersonals“ eine hohe Bedeutung bei und sehen darin eine Priorität bei der Umsetzung der Reform.

Die komplette Pressemitteilung des Landessportbundes Sachsen-Anhalt ist hier zu lesen:
Pressemeldung Konferenz LSB 2017-10-20

Mitgliederversammlung findet am 17.11.2017 statt

Am 17.11.2017 findet die Mitgliederversammlung des BVTDS statt – und ein kleines Jubiläum wird begangen. Am 30.10.2012 gegründet, feiert der Berufsverband der Trainerinnen und Trainer im deutschen Sport e.V. sein fünfjähriges Bestehen und lädt zur Jubiläumsmitgliederversammlung ein. Die wird in der BVTDS-Geschäftsstelle, Ehrenfeldgürtel 161, 50823 Köln stattfinden. Die komplette Einladung samt Tagesordnung ist in der unterstehenden pdf-Datei zu finden. Wir wünschen schon heute eine gute Anreise nach Köln.

Einladung und Tagesordnung BVTDS MV_2017