Gert Zender nimmt Politik in die Pflicht: „Bund und Länder müssen Veränderungen initiieren!“

Harsche Worte sind seine Sache nicht. Nein, angenehm ruhig und sachlich führt Gert Zender den Dialog und seit dem 20.02.2019 als Teil des Präsidenten-Duos an der Seite von Holger Hasse auch den Berufsverband der Trainerinnen und Trainer im Deutschen Sport e.V. (BVTDS). Sehr deutlich und fordernd aber wird Zender, wenn er an die Vielzahl von rechtswidrigen Tatbeständen in Arbeitsverträgen im Sport denkt. Da hat er einige ausgemacht – und er muss es wissen.

Gert Zender

Von 1981 bis 1987 hat der heute 59-Jährige in Trier Jura studiert und ist somit absoluter Fachmann. „Uns ist es nach wie vor ein großes Anliegen, dass die arbeitsrechtlichen Vorgaben in Gänze tatsächlich auch für Trainerinnen und Trainer umgesetzt werden“, so Zender. „Immer wieder ist feststellbar, dass arbeitsrechtliche Vorschriften umgangen und dadurch Berufstrainerinnen und -trainer benachteiligt werden. Zu nennen sind hier unter anderem die Nicht-Beachtung der gesetzlichen Regelungen im Arbeitszeitgesetz sowie unrechtmäßige Befristung von Arbeitsverträgen. Das ist nicht hinnehmbar.“

Seit 2000 setzt sich Gert Zender als Präsident des Verbandes Deutscher Tischtennis Trainer e.V. (VDTT) für die Belange der Trainerinnen und Trainer ein. „2003 gab es die Überlegung, in der Gewerkschaft verdi einen Trainerzweig ’sports union‘ zu gründen. Verdi hat dies aber nicht weiterverfolgt. Als ich aber 2012 von der Gründung des Berufsverbandes als Interessenvertretung hörte, war ich sehr erfreut. Genau solche Institutionen sind notwendig, um Veränderungen im Berufstrainerwesen herbei zu führen.“ Das Gros der rund 1.400 Mitglieder des VDTT sind Basistrainer, die auf Honorarbasis oder gar ehrenamtlich arbeiten. Die Berufstrainerinnen und -trainer sind dort in der Minderzahl. Insofern liegt der Hauptschwerpunkt des VDTT in der Weiterbildung.

Nunmehr kann Zender als Präsident des BVTDS ganz wesentlich die Belange der Profitrainerinnen und -trainer mitgestalten: „Der VDTT hat sich in der Szene einen Namen gemacht. Aber Tischtennis alleine hat nicht die Durchschlagskraft. Der BVTDS mit seinen Mitgliedern aus diversen Sportarten und Verbänden kann hier eine andere Wirkung
erzeugen“, erläutert Zender seine Beweggründe, auch dieses Präsidentenamt zu übernehmen. „Wir müssen uns der Politik gegenüber klar positionieren und verdeutlichen, dass es ebendiese Politik ist, die die Veränderungen initiieren muss. Die Verbände im Bund und in den Ländern hängen am finanziellen Tropf der öffentlichen Hand. Insofern
sind es Bund und Länder, die auch Vorgaben für die Verwendung von Mitteln machen müssen. Mittelzuwendungen müssen zukünftig ganz klar an die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben geknüpft sein.“

Doch auch die Vereine und Verbände sieht der 59-Jährige nicht von ihren Pflichten entbunden. „Sie können sich nicht ihrer Verantwortung entziehen. Selbstverständlich sind auch hier die rechtlichen Rahmenbedingungen einzuhalten.“

All diese Forderungen sind bekanntermaßen nicht neu – aber insbesondere durch die Arbeit in der AG Trainerkonzept des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) besteht die Möglichkeit, sich intensiv in die Diskussion und in die Erarbeitung von Grundlagen einzubringen. „Holger Hasse und ich sind seit der AG-Gründung ihr Bestandteil. Ich bin guter Dinge, dass die Ausarbeitungen und deren Umsetzung die Situation der Trainerinnen und Trainer nachhaltig verbessern werden.“ Auch dem Gespräch mit Beate Lohmann, Abteilungsleiterin Sport im Bundesministerium des Inneren, blickte Gert Zender freudig und optimistisch entgegen. „Das sind genau die Gespräche, die wir benötigen, um unserer Sache Gehör zu verschaffen und über unsere Vorstellungen zu informieren. Es ist ein hartes Brett zu bohren, insbesondere auf der Länderebene, aber wir sind zuversichtlich.“

Zuversichtlich ist er auch, was die Entwicklung des BVTDS angeht. Für das kommende Strategiemeeting des frisch gewählten Präsidiums erstellt er gemeinsam mit Holger Hasse derzeit ein Arbeitspapier, das Ziele und Wege zur Zielerreichung aufzeigen soll. Ein wesentliches Vorhaben muss die Gewinnung weiterer Mitglieder sein. „Wie wir das erreichen, um uns eine noch deutlichere Stimme zu verschaffen, das müssen wir erarbeiten. Wir müssen medial möglichst präsent sein und unsere Vorhaben immer wieder in der Öffentlichkeit präsentieren“, so der Volljurist. Aber auch die berufliche Ausbildung von Trainerinnen und Trainern ist Zender ein Anliegen. Die duale Berufstrainer-Ausbildung des Deutschen Skiverbandes unter der Führung von Jürgen Wolf dient hier als Vorzeigeprojekt. „Für diese Idee müssen wir weitere Verbände gewinnen.“

Beinahe übrigens wäre auch aus dem heutigen Verwaltungsjuristen ein Berufstrainer geworden. Als leidenschaftlicher Trainer stand er eines Tages vor der Wahl: A-Trainerausbildung oder zweites juristisches Staatsexamen. Die Wahl fiel auf das zweite Staatsexamen, das Zender 1991 nach Magdeburg führte und ihn zum Leiter der Abteilung Umwelt/Landwirtschaft im Landesverwaltungsamt Halle an der Saale aufstiegen ließ. „Das Trainer-Dasein habe ich nach 1991 noch zehn Jahre fortgeführt“, erinnert sich der B-Trainer. Von 1991 bis 1993 agierte er als Trainer einer Regionalliga-Mannschaft in Trier, ab 1993 dann als Cheftrainer der Damen-Bundesligisten SV Böblingen und SV Winterwerb – mit großem Erfolg. Mit dem SV Böblingen gelang das Erreichen des Europapokal-Halbfinals ebenso wie Rang drei in der Meisterschaft. „Zu dieser Zeit bin ich regelmäßig gependelt. Montags bis freitags habe ich gearbeitet, samstags und sonntags war ich bei der Mannschaft. Für Vorbereitungslehrgänge ging der Urlaub drauf. Das war eine herausfordernde Zeit“, so Zender. Die 2000 endete. Bekanntlich mit der Übernahme des Präsidentenamtes beim VDTT.

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